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Hotel Europa

Adresse: Václavské nám. 826/25 110 00 Prag

Wegbeschreibung:

Das Hotel Europa befindet sich in etwa der Mitte des Wenzelsplatzes und ist nicht zu übersehen.

Zu erreichen mit den U-Bahn Linien A und B, Haltestelle Mustek.

Google-Maps:

 
Hotel Europa

Neben dem Repräsentationshaus ist das Hotel Europa am Wenzelsplatz das monumentalste Jugendstilgebäude von Prag. Das Hotel wurde bereits 1889 nach den Plänen des Architekten Quidon Belsky für seinen damaligen Besitzer Vilem Hauner errichtet, und war, wie man auf historischen Aufnahmen gut ersehen kann, noch zweigeteilt. Im linken Teil befand sich das Hotel Erzherzog Stephan, während im niedrigen Gebäude daneben das Hotel Garni lag. Darin gab es auch eine beliebte Bierstube mit dem netten Namen "Schweinhäusel", das, obwohl einfach eingerichtet, gerne auch von der "besseren" Gesellschaft aufgesucht wurde. 

In Griebens Reiseführer aus dem Jahre 1890 wird das Hotel Erzherzog Stephan als Mittelding zwischen Privatwohnung und Hotel beschrieben, deren viele Zimmer auf Monate und längere Fristen zu haben seien. Auch wenn man in Rechnung stellt, dass Prag noch keineswegs die Touristenmetropole von heute war und die Prager Hotels generell nicht den besten Ruf besaßen, so lässt doch diese Beschreibung darauf schließen, dass das Hotel den modernen Ansprüchen nach Komfort und Luxus, wie es beispielsweise das 1884 erbaute "Grand Hotel" bot, nicht mehr entsprach.



Der Umbau des Hotels

So verwundert es nicht, dass man sich schon 1903 zu einem grundlegendem Umbau entschloss, dem das Hotel sein heutiges Aussehen verdankt. Mit der Modernisierung beauftragt wurden die bekannten Architekten Bedrich Bendelmayer und Alois Dryak. Vor allem das Hotel Garni wurde angehoben und gab dem Gesamtkomplex ein zwar asymmetrisches, aber einheitliches Aussehen. Der Außenfassade wurden typische Jugendstilelemente hinzugefügt. So kann man auch heute noch die typischen vegetabilen Kränze mit Bändern zwischen den Fenstern bewundern. Imposant ist auch die Stirngiebel des Hauptgebäudes. In goldenen Lettern findet man hier die Worte "Grandhotel Europa", einen Namen den das Hotel erst nach der Machtübernahme der Kommunisten im Februar 1948 erhielt und der heute noch gültig ist. Darüber befindet sich ein farbiges Glasmosaik, das nach einem Plan des Malers Jan Förster ausgeführt wurde. Abschluss und Krönung des Ganzen bildet eine Statuen-Gruppe, die wiederum von Ladislav Saloun (siehe auch: "Prager Versicherungsanstalt") gestaltet wurde. Sie stellt eine von Feen umgebene Lampe dar, deren Licht in der Nacht eine besonders reizvolle Wirkung entfaltet. Auch im Inneren des Hotels findet sich auch heute noch die alte Jugendstilornamentik in den Fluren und Salons wieder.

Das Hotel hieß bis zu dem Umsturz im Jahre 1918 "Hotel Erzherzog Stephan". Danach war es nicht mehr opportun das Hotel mit dem Namen des einstigen böhmischen Statthalters zu führen, der ein Symbol der verhassten Fremdherrschaft war. Darum nahm man den Namen seines damaligen Besitzers und taufte es kurzerhand in "Grand Hotel Sroubek" um. Das Hotel besaß 200 Betten, die auf neunzig Zimmer und Appartements verteilt wurden. Dem Hotelbetrieb angegliedert war ein großer Restaurationsbereich, dem ein Französisches Restaurant, Cafe und Bar, Spiegelsaal und Pilsener Restaurant angehörte. Vor allem die Küche Sroubeks besaß einen ausgezeichneten Namen und lockte auch viele auswärtige Gäste an.

Das Cafehaus des Hotel Europa

Das Cafe des Hotel Europa

Wer sich in Prag aufhält, sollte es nicht versäumen, dem altehrwürdigen Cafehaus des Hotels seine Referenz zu erweisen. Wer hier eintritt, taucht noch einmal ein in die längst untergegangene Welt der Jahrhundertwende. Mit Ausnahme eines Fontainen sprudelnden Springbrunnens, der sich etwa in der Mitte des Cafes befand, hat man das alte Ambiente erhalten. Dazu gehört natürlich die Wand- und Deckenbeleuchtung oder die überdimensionierte Espressomaschine, der nur geübte Hände einen wohlschmeckenden Kaffee entlocken können.

Es gibt zwar kaum ein schriftliches Zeugnis darüber, doch kann es als sicher gelten, dass auch Kafka so manches Mal hier eingekehrt ist. In jedem Fall war es das Stammcafe von Ernst Polak, dem Ehemann von Milena Jesenska, der als Doyen des Literatenstammtisches im Cafe Arco eine wichtige Figur im literarischen Prag der Jahrhundertwende war. 

Der Cafe mag zwar andernorts besser schmecken, aber wann hat man ihn je schon so stilvoll zu sich genommen?

Wichtiger Hinweis

Das Hotel Europa und auch das Cafehaus sind derzeit wegen Umbau geschlossen. Das altehrwürdige Hotel, das neben den Jugendstil-Elementen auch einige lustige Reminiszenzen aus der sozialistischen Ära aufzuweisen hatte, was dem Ganzen einen ganz eigentümlichen Charme verlieh, soll im Anfang 2019 als Luxushotel wiedereröffnet werden.



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