Das Prager Nationaltheater

Zur Entstehungsgeschichte des Theaters

Ähnlich wie das Nationalmuseum am Beginn des Wenzelsplatzes, dokumentiert das Nationaltheater das erwachte und erstarkte Nationalbewusstsein der tschechischen Bürger der Stadt, die politisch ihre Rechte forderten und sich lautstark in dem Vielvölkerstaat der Doppelmonarchie Österreich-Ungarns bemerkbar machten. Nahezu jeder engagierte Tscheche in Prag beteiligte sich seit 1868 an der Sammlung zur Errichtung des Musen-Tempels. Die komplette Finanzierung wurde von privater Hand organisiert und schon die Grundsteinlegung am 16. Mai 1868 mit seinen mehr als 100.000 begeisterten Zuschauern war eine politische Demonstration. Der Stein selber wurde aus dem ca. 40 Kilometern entfernten Berg Říp herangeschafft, der bis heute eine national-tschechische Gedenkstätte ist und von wo aus, der Sage nach, Stammvater Čech das böhmische Land in Besitz nahm.

Der im Neorenaissance-Stil errichtete Prachtbau war 1881 noch nicht komplett fertiggestellt als zur Premiere am 11. Juni, unter Beisein von Kronprinz Rudolf, die eigens von Bedřich Smetana zu diesem Anlass komponierte Oper „Libusa“ uraufgeführt wurde.

Brand und Wiederaufbau

Schon wenige Wochen nach der Eröffnung und kurz vor der endgültigen Fertigstellung zerstörte allerdings ein Brand das Gebäude zu einem Großteil. Auslöser war eine Unachtsamkeit von Bauarbeitern. Doch die Bürger verfielen in keine Schockstarre: nicht lange nach der Katastrophe startete man von neuem mit einer Sammlung (an der sich Adlige, aber auch Kaiser Franz Joseph I. sowie der russische Zar beteiligten) und bekam innerhalb von kurzer Zeit die erforderliche Summe wieder zusammen. Auch wenn die Spender nicht nur aus dem Bevölkerung kamen, hat die Inschrift seine Berechtigung: „Národ sobě“ („Das Volk für sich“). Denn ohne das Engagement der Tschechen hätte es das Nationaltheater nicht gegeben.

Der Bau wurde wieder im Stile der Neorenaissancearchitektur aufgebaut. Unter der Leitung von Josef Schulz arbeiteten alle führenden Architekten und Künstler ihrer Zeit mit „um ein wirkliches Gesamtkunstwerk“ (Detlev Arens) zu erschaffen. Ein besonderer Blickfang stellt die Dachkonstruktion dar: Wie viele andere Prager Dächer auch steht der geschwungene Abschluss des Nationaltheaters in der Tradition des Belvedere (Lustschlösschen der Königin Anna) im königlichen Garten des Hradschins. 

Im Inneren sind die Themen Sagen, Nation und Künste im Mittelpunkt der prunkvollen Umsetzung durch diverse Künstler. So wird im Hauptfoyer in 14 Lünetten (halbkreisförmige oder kreissegmentförmig gerahmte Wandfelder), die von Mikoláš Aleš gestaltet wurden, mit dem Titel „Mein Vaterland“ die Entstehung der Nation thematisiert, das dreigeteilte Fresko an der Decke von Franz Ženíšek dagegen zeigt  Verfall, Wiedergeburt und das Goldene Zeitalter der Kunst.

Schon am 18. November 1883 war das Nationaltheater wieder aufgebaut. Zur Wiedereröffnung wurde erneut Bedřich Smetanas Oper „Libusa“ gespielt. Dieses Mal stand die Premiere unter einem günstigen Stern.


Adresse:

Národní 2, 110 00 Nové Město, Prag

Wegbeschreibung:
Am Ende des Wenzelsplatz wechseln Sie links in die "28. října". Die Verlängerung dann ist die Národní, die Sie einfach in Richtung Moldau entlang gehen. Das prächtige Gebäude am Ende der Straße ist gar nicht zu übersehen.
Zu erreichen auch mit den Straßenbahnlinien 9,18, 22; Haltestelle Narodni divadlo.

Kartenansicht:

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