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Das Altstädter Rathaus & die astronomische Uhr

Das Altstädter Rathaus

Das Altstädter Rathaus

Ursprünglich stand hier ein Bürgerhaus, das einem Wölfflin von Steine gehörte. Nachdem König Johann von Luxemburg im Jahre 1338 den Pragern das Privileg der Stadtverwaltung erließ, kaufte man dieses Haus auf und baute es in mehreren Schritten um. Finanziert werden sollte das Ganze über eine Weinsteuer. Auch hierfür erhielt man vom König das Privileg. Als erstes erhöhte man das Haus um ein Geschoß, ebenso einen in kleineren Format schon vorhandenen Turm. Um 1350 wurde die Kapelle eingebaut und ab 1360 erfolgten die Erweiterungsbauten, also den Bereich neben der Astronomischen Uhr. Hier entstand dann der Rathaussaal. Nach weiteren Umbauten wurde es Mitte des 15. Jahrhunderts schon wieder notwendig den Verwaltungsbau um ein weiteres Haus im westlichen Bereich zu erweitern, der dann 1470 fertiggestellt war.

Der nächste Umbau ließ nicht lange auf sich warten: schon um 1500 glich man dieses doch uneinheitliche Gebäude-Ensemble an, verzierte das Hauptportal mit plastischen Schmuck und setzte die in Mode gekommene Renaissance bei dem Fenster in der Eingangshalle um. Die nächste größere Umgestaltung erfolgte um 1835 als man im Westflügel ein weiteres Haus ("Zum Hahn") anbaute und den Nordflügel, rechts vom Turm, abriß und durch ein einheitliches Gebäude im neogotischen Stil ersetzte. Dieser wurde dann 1945 von deutschen Truppen beim Abzug aus Prag gesprengt und zeigt heute nur noch einen kleinen Teilbereich. Der Rest wurde nicht mehr aufgebaut.

Die Säle des Rathauses im westlichen Teil können übrigens besichtigt werden. In der Eingangshalle ist ein Tourismusbüro untergebracht, während im Stockwerk darüber die spätgotische Rathausstube zu finden ist. Im zweiten Stock gibt es noch den Sitzungssaal.



Tipp: Blick über Altstadt von oben

Wer einen wunderschönen Blick über die Prager Innenstadt haben möchte, sollte es nicht versäumen auf den 60 Meter hohen Turm des Rathauses zu steigen. Wer gut zu Fuß ist, kann natürlich die Treppe nehmen, für die anderen Besucher steht ein Lift zur Verfügung. Der Turm kann montags von 11-22 Uhr, an den anderen Tagen sogar schon von 9-22 Uhr besichtigt werden.

Die Astronomische Uhr

Astronomische Uhr

Eine große touristische Attraktion stellt die Astronomische Uhr dar. Zwischen 9 und 21 Uhr erfolgt zu jeder vollen Stunde ein kleines Schauspiel, das viele Besucher anlockt: Die Figur des Todes hebt die Sanduhr und läutet das Sterbeglöckchen, dann wandern die 12 Apostel in Zweierpaaren an jeweils einer Lucke vorbei, blicken kurz und ernst herunter und zum Abschluß der Prozession kräht ein Hahn und die Turmuhr schlägt die jeweilige Stunde. Das Spektakel dauert ganze 45 Sekunden.

Die erste Fassung der Uhr wurde 1410 von Mikuláš aus Kaaden erstellt. Im Jahre 1490 wurde sie von Magister Hanuš repariert und die Mechanik komplett neu entworfen. Der Legende nach war dieses komplexe Uhrwerk so einmalig, dass man im Prager Rat mit aller Macht verhindern wollte, dass der begehrte Uhrenmacher noch andere Städte mit seiner Kunst beglücke. Man soll darauf auf die Idee verfallen sein den Uhrmacher zu blenden. Seine Rache war aber schrecklich: der Geblendete ließ sich noch ein letztes Mal zu seinem Uhrwerk führen, scheinbar um Abschied zu nehmen, aber in Wirklichkeit steckte er seine Hand in das komplexe Räderwerk, das darauf hin für Jahrzehnte unbrauchbar geworden war.

Diese Uhr in allen Einzelheiten richtig zu erfassen, ist auch eine Wissenschaft für sich. Die Astronomische Uhr ist in zwei ähnlich große Kreise aufgeteilt. Die obere Scheibe, die sogenannte Sphäre, zeigt den Umlauf der Sonne, des Mondes und die Zeit an. Der äußerste Ring besitzt dabei eine Einteilung in 24 Felder und zeigt über arabische Ziffern die böhmische Zeit an, die römischen Ziffern, die in zwei Mal Zwölf Ziffern aufgeteilt sind, zeigen dagegen unsere Zeit an. Zudem werden über die Tierkreiszeichen der jeweilige Monat angezeigt. Wem das noch nicht reicht, kann über die gekrümmten Linien die Phase des Mondes, des Sonnenstandes und die Stellung der Planeten ablesen. An den Seiten der oberen Scheibe sieht man noch insgesamt vier Figuren, zwei jeweils an einer Seite. Sie ermahnen den Menschen nicht seine Lebenszeit zu vergeuden und symbolisieren die Eitelkeit (mit Spiegel), die Raffgier (mit einem Geldsack), den Tod (Skelett) und das Heidentum (in Gestalt eines Türken). Interessant ist, dass man die Figur, die die Raffgier darstellte, 1945 einer "kosmetischen" Operation unterzog und die allzu jüdischen Hinweise aus der Figur entfernte.

Die untere Scheibe dagegen dient als Kalendarium. Der äußere Ring ist in 365 Abschnitte aufgeteilt, der zu jedem neuen Tag um eine Position vorrückt.

Die meisten Originalteile der Uhr sind inzwischen im Stadtmuseum untergebracht. Bei einem Brand Ende des zweiten Weltkrieges sind auch die Apostelfiguren zerstört worden und mussten neu angefertigt werden. 


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