Die Prager Kleinseite

Unterhalb der Burg und zur Moldau gelegen, taucht man bei einem Spaziergang durch die engen und malerischen Gassen der Kleinseite in ein historisches Ambiente ein, wie man es in dieser Konzentration in nicht mehr allzu vielen Städten vorfindet. Während man in anderen Stadtvierteln die Sehenswürdigkeiten sucht, ist die Kleinseite für sich schon eine Sehenswürdigkeit.

Nehmen Sie sich auf jeden Fall die Zeit und schlendern Sie über Kopfstein gepflasterte Straßen und abseits des touristischen Hauptstroms, der üblicherweise von der Nerudova (Nerudagasse) zur Burg pilgert. Schon wenige Ecken abseits davon finden Sie ruhige Gassen und Plätze, die eingerahmt werden von prächtigen Bauten, die oft noch aus der Barockzeit stammen und einen tief in vergangene Zeiten eintauchen lassen.

Geschichtliche Entwicklung

In seinen Anfängen bestand die Gegend unterhalb der Burg vor allem aus einem Marktplatz. König Přemysl Ottokar II. vereinte den Platz im Jahre 1257 mit anderen umliegenden dörflichen Siedlungen zu einer Stadt, die damit auch eine Ringmauer erhielt. Man nannte das Gemeinwesen zu dieser Zeit noch "Nova civitas sub castro" (Neustadt unter der Prager Burg). Später wandelte sich der Name in "Kleinere Prager Stadt". Mit seiner Gründung siedelte man auch norddeutsche Kolonisten an, die der Stadt zu Wohlstand verhelfen sollten.

Während der Regierungszeit Karls IV. wurde das Areal durch einen neuen Mauerring, der sog. "Hungermauer", in den Jahren 1360 und 1362 stark erweitert. Den Namen "Hungermauer" erhielt die Befestigung übrigens, weil zu deren Errichtung viele städtische Arme in Lohn und Brot kamen, die aufgrund einer vorherrschenden Hungersnot um ihr Überleben kämpfen mussten. Neben der Sicherung der Stadt fungierte das Bauwerk auch als frühneuzeitliche Arbeitsbeschaffung. Das entsprach dem Credo Karls IV., der eine starke Fürsorgepflicht gegenüber seinen Untertanen empfand. Mit ihrer Errichtung wurde die Kleinseite auch mit der Burgstadt (Hradschin) vereint.

Durch die Hussitenkriege im 15. Jahrhundert, aber auch durch zwei verheerende Brände in den Jahren 1504 und 1541 kam es immer wieder zu weitreichenden Zerstörungen. Im Gefolge des Dreißigjährigen Krieges entdeckten die Reichen und der Adel die Kleinseite für sich, wovon heute noch viele barocke Paläste und Kirchen ein beeindruckendes Zeugnis abgeben. In den ehemaligen Adelspalästen sind heute zumeist Behörden und Botschaften untergebracht. Im Jahre 1784 wurde dann die Kleinseite schließlich zu einem Stadtteil von Prag.


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