Die Prager Karlsbrücke

Zur Baugeschichte

Die Karlsbrücke ist der wohl meistbesuchte Anziehungspunkt von Prag. Es gibt kaum einen Besucher dieser Stadt, der nicht diese schönste Verbindungslinie über die Moldau nutzt, der die Altstadt seit jeher mit der Kleinseite verbindet. Doch wenn der Frühling oder der Sommer Einzug in die Goldene Stadt hält, kann das Gedränge, das von Touristen, Andenkenverkäufern, Straßenmalern oder Musikanten ausgeht, auf dieser Brücke schon beängstigende Ausmaße annehmen. Wer die Romantik dieses Ortes kennenlernen will, macht sich am besten in den frühen Morgenstunden auf den Weg.

Im Jahre 1118 wird das erste Mal eine Brücke in den Dokumenten erwähnt. Es ist da von einer hölzernen Überführung die Rede, die aber schon 1157 einstürzte. Darum ließ König Vladislav II. nur ein Jahr später ca. 200 Meter entfernt eine steinerne Brücke errichten, die er nach seiner Gattin benannte und von da an Judithbrücke hieß. Im Jahre 1342 kam es durch Hochwasser zu so starken Beschädigungen, dass Kaiser Karl IV. den Bau einer neuen Brücke anordnete. Damit beauftragt wurde der berühmte Baumeister Peter Parler. Der Grundstein wurde übrigens exakt am 9. Juli 1357 um 5.31 Uhr gelegt. Im Mittelalter vertraute man einer Zahlenmystik und die Reihenfolge 1357 9 7 5 31 entsprach einer gottgewollten Ordnung, die den Bauwerk Beistand von oben sichern sollte.

Doch die Vollendung zog sich bis ins 15. Jahrhundert hinein. Die von 16 Bogen gehaltene Brücke ist insgesamt 520 Meter lang und 10 Meter breit. Ihr S-förmiger Verlauf ist auf die Weiterverwendung alter Brückenköpfe der Judithbrücke zurückzuführen, neben die man die neuen setzte. An ihren jeweiligen Enden stehen auf der Kleinseite die Kleinseitner Türme und in Richtung Altstadt der Altstädter Brückenturm, die in früheren Jahrhunderten der Verteidigung dienten. Die große Bedeutung der Karlsbrücke erkennt man schon allein darin, dass sie bis ins Jahr 1836 der einzige Übergang über die Moldau war. 

Man kann es sich in dem heutigen Gedränge gar nicht mehr vorstellen, aber bis zum ersten Weltkrieg fuhr noch die Straßenbahn über die Brücke und bis Ende des zweiten Weltkriegs war sie für den Autoverkehr freigegeben.

In seiner langen Geschichte richtete das regelmäßig über die Moldauufer tretende Hochwasser immer wieder auch beträchtliche Schäden an der Karlsbrücke an ohne sie aber komplett zum Einstürzen zu bringen. Bei einem Hochwasserübertritt 1890 beispielsweise brachen drei Bögen komplett ein. Unter den sensationslüsternen Zuschauern damals war übrigens wohl auch die Familie Kafka.

Seinen heutigen Namen Karlsbrücke erhielt diese touristische Attraktion erst im Jahre 1870. Zuvor hieß die Brücke einfach nur Steinbrücke (Kamenný Most).


Adresse:

Karlův most, 110 00 Praha 1

Wegbeschreibung:
Die Karlsbrücke geht über die Moldau und verbindet die Altstadt (Staré Mesto) mit der Kleinseite (Malá Strana). Kommt man vom Altstädter Ring her, geht man an der Rathausuhr zum kleinen Ring durch, überquert diesen und folgt dann geradeaus der engen und meist überfüllten Straße, der zum ehemaligen Krönungsweg gehört. Dort ist dann der weitere Weg zur Karlsbrücke (Karlův most) ausgeschildert.

Kartenansicht:

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