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Kloster Strahov

Adresse: Strahovské nádvoří 1/132, 118 00 Praha 1

Wegbeschreibung:

Von der Prager Burg kommend, überqueren Sie den davor liegenden Hradschiner Platz und gehen links in die Loretánská, folgen dieser bis zu Ihrem Ende, gehen dann deren Verlängerung Pohořelec bis zu deren Ende und biegen schließlich in die leicht aufsteigende Dlabačov dann links ein. Von dort gelangen Sie dann bald zu dem Haupteingang des Strahover Klosters. Sie können auch mit der Trambahnlinie 22 und 23 bis zur Station "Pohořelec" fahren.

 

Zur Geschichte des Kloster Strahovs

Aufnahme vom Strahover Kloster

Vladislav II. gründete auf Wunsch des Olmützer Bischofs Heinrich Zdik im Jahre 1140 das Prämonstratenserkloster auf dem Berg Strahov. Ab 1142 übernahmen Eilfelder Prämonstratenser das Gelände und bauten nach 1143 Gebäude und eine Kirche darauf, die aber im Jahre 1258 einem Brand zum Opfer fielen. Dabei wurde auch die erste Bibliothek vernichtet. Der Wiederaufbau erfolgte aber schon 1263.

Eine durchgreifende Umgestaltung erfuhr das Kloster in den Jahren 1614-1629, dem weitere Umbauten im Barockstil während der Jahre 1682-1698 folgten, die in erster Linie Entwürfen des französischen Architekten Jean Baptiste Mathey folgten.

Als Folge von Beschießungen während des ersten schlesischen Kriegs, bei der es 1741 auch zu einer kurzzeitigen Einnahme Prags durch französische, sächsische und bayrische Truppen kam, mussten in den folgenden vier Jahrzehnten größere Reparaturen und Umbauten am Kloster Strahov vorgenommen werden. Ihren Abschluss fanden diese Arbeiten im klassizistischen Bau des Philosophischen Bibliothekssaal, der das bedeutendste Prager Bauwerk der Josefinischen Ära war.

Das Kloster war während der ganzen Jahrhunderte bewohnt, bis im Jahre 1950 die kommunistische Regierung alle klösterlichen Aktivitäten verbot. Nach deren Abdankung wurde die Abtei im Jahre 1989 den Prämonstratensern zurück gegeben. 



Die Bibliothek des Klosters

Der größte Blickfang auf dem Gelände des Kloster Strahovs sind die beiden Bibliothekssäle, die leider heutzutage nur mehr von der Eingangstür aus betrachtet werden dürfen, da feuchte Atemluft die Fresken gefährden würde. Die Sammlung mit seinen ca. 280.000 Bänden, 2.500 Wiegendrucken und 5.000 Handschriften, deren Bestand mit Werken des 9. Jahrhundert beginnen und bis zum 18. Jahrhundert reichen, machen die Klosterbibliothek zur wichtigsten des Landes und zu einem Pflichttermin für jeden Bücherfreund, der Prag besucht.

Dabei wurde die Klosterbibliothek unter ganz unterschiedlichen Vorzeichen zum Nutznießer politischer Ereignisse. Das erste datiert aus der Zeit Josephs II. Ende des 18. Jahrhunderts, der eigentlich die Aufhebung der Klöster während seiner kurzen Regentschaft vorantrieb. Durch die geschickte Politik seines damaligen Abts Wenzel Mayer gelang es aber Joseph II. für eine Erweiterung der Klosterbibliothek zu erwärmen. So entging man nicht nur der Schließung, sondern konnte, ganz im Gegenteil, Bestände aus den anderen, nun säkularisierten Klostern aufkaufen und dem eigenen Bestand einverleiben. Der zweite geschichtliche Umstand war für das Kloster zuerst weniger erfreulich, hat aber aus heutiger Sicht positive Auswirkungen. Zwar schlossen die Kommunisten das Kloster Strahov Anfang der 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts und vertrieben seine Mönche, aber sie nutzten in der Folgezeit die Räumlichkeiten um wiederum Bestände aus anderen Klöstern hier unterzubringen, die dann nach der erneuten Übergabe an die Prämonstratenser im Jahre 1989 in der Klosterbibliothek verblieben.

Das kostbarste Buch im Besitz des Klosters ist das Strahover Evangelienbuch. Es wurde in lateinischer Schrift verfasst und besteht aus 218 Pergamentblättern. Das Buch wurde um das Jahr 800 in Tours geschrieben, die dazugehörigen Evangelienbilder sind um 990 im Martinskloster in Trier entstanden. Eine Faksimile-Ausgabe des Werks befindet sich auf dem Gang zwischen Theologischen und Philosophischen Bibliothekssaal.

Erwähnenswert ist noch das Medaillon-Bildnis von Ignaz Franz Platzer an der Außenfassade, das sich im flachen Halbrund des Giebels befindet und Joseph II. zeigt. Damit brachte man seine Dankbarkeit zum Ausdruck, dass der Herrscher das Kloster Strahov von einer Aufhebung verschont hatte.

Der philosophische Bibliothekssaal

Bild vom Philosophischen Bibliothekssaal auf Kloster Strahov
Der Philosophische Bibliothekssaal auf Kloster Strahov

Der Philosophische Bibliothekssaal ist der erste der beiden Bibliothekssäle, an den die Besucher im ersten Stock vorbei kommen. Es ist der jüngere der beiden Räume und 32 Meter lang, 10 Meter breit sowie 14 Meter hoch. Die elaboriert geschnitzten Bücherschränke stammen aus dem südmährischen Kloster Louka. Das Deckenfresko gestaltete der damals schon Siebzigjährige Franz Anton Maulbertsch (1724-1796), der das Werk 1794 zusammen mit seinem Gehilfen in nur sechs Monaten malte. Maulbertsch, ein Rembrandt-Verehrer, dessen nuancierte Darstellung von Farb- und Lichteffekten später von den Impressionisten aufgegriffen wurden, stellt in diesem Fresko die Geistesgeschichte der Menschheit in Szenen dar. Die Malereien sind im Geiste einer aufgeklärten Religiosität entstanden, dem sich auch der Abt und Freimaurer Wenzel Mayer verbunden fühlte.

In der Mitte des linken Bereichs des Bibliothekssaals erkennt man einen dunklen Schrank. In diesem befinden sich das sechsbändige Botanikwerk "Les Liliacées" und die vierbändige Abhandlung "Le Musée Française". Beide Werke sind Geschenke der französischen Kaiserin Marie Louise aus dem Jahre 1812.

Der Theologische Bibliothekssaal

Bild vom Der Theologischen Bibliothekssaal auf Kloster Strahov
Der Theologische Bibliothekssaal

Der Theologische Bibliothekssaal wurde 1671 - 1679 nach Plänen von Giovanni Domenico Orsi de Orsini erbaut. Der Baumeister wurde 1634 in Wien geboren und starb 1679 in Prag. Er war italienischer Abstammung und arbeitete später hauptsächlich für den Orden der Jesuiten. Er gilt als eine der bedeutendsten Künstlern des böhmischen Frühbarock.

Das reich stuckierte Tonnengewölbe stammt aus späterer Zeit. Es wurde in den Jahren 1782 - 1784 von Michael Ignaz Palliardi entworfen. Durch die reichhaltig aufgetragene Stuckatur der Decke blieb nur mehr der Innenbereich der jeweiligen Kartuschen (Zierrahmen) für die Ausmalung. Deren Ausschmückung erfolgte 1723-1727 durch den Freskenmaler Siard Nosecký (1693-1753), der selber im Kloster Strahov als Chorherr lebte. Er ließ sich hierbei von dem Werk "De typo generis humani" des böhmischen Philosophen Hieronymus Hirnhaim inspirieren. Die 25 Fresken stellen biblische Szenen dar, in der das Thema "Von der Liebe zur Bildung und Wissenschaft" dargestellt wird. In einer Fensternische rechts hat sich übrigens der Künstler selbst verewigt.

In der Mitte des Raums erkennt man eine lange Reihe von Erd- und Sterngloben. Drei davon stammen von dem berühmten niederländischen Kartographen Willem Blaeu (1571-1638).

Kirche Mariä Himmelfahrt

Bild von Kirche Mariä Himmelfahrt auf dem Kloster Strahov
Die Kirche Mariä Himmelfahrt
Bild von Innenansicht der Kirche Mariä Himmelfahrt auf dem Kloster Strahov
Innenansicht der Kirche Mariä Himmelfahrt

Direkt neben dem Eingang zur Klosterbibliothek befindet sich die Kirche Mariä Himmelfahrt. Die dreischiffige Kirche wurde ursprünglich 1148 aufgebaut und nach dem Brand von 1258 im romanischen Stil wieder aufgebaut. Sein heutiges Aussehen verdankt die Kirche einer Umgestaltung im Barockstil in den Jahren 1742 bis 1758.

Bei der Formgebung der Fassade orientierte man sich am Aussehen der Johannes-Nepomuk-Kirche, die sich ungefähr 200 Meter vom Hradschiner Platz befindet und der erste Kirchenbau des bekannten Baumeisters Kilian Ignaz Dientzenhofers (1689-1751) darstellt. Den künstlerischen Höhepunkt stellt hierbei die 1744 entstandene Figur der "Immaculata" (lat. "die Unbefleckte"), die sich in der Portalnische über dem Haupteingang befindet und von Johann Anton Quittainer (1709-1765) erschaffen wurde.

Auch der Innenbereich ist geprägt vom Barock. Die acht großen Deckenfresken, die von dem Maler und Freskanten Josef Kramolin (1730-1802) gestaltet wurden, stellen Szenen aus dem Marienleben dar. Sie werden von 32 Marien-Symbolen in den Gewölbezwickeln umrahmt. Die Seitenwände schmücken 12 Gemälde des Künstlers  Joseph Neuner aus dem Jahre 1743, die Szenen aus dem Leben des Ordensgründers Norbert von Xanten zeigen. Die Reliquien Norberts befinden sich in der nördlichen Seitenkapelle. Sie wurden 1627 aus Magdeburg, wo der Ordensgründer als Erzbischof lebte, in die Kirche überführt.

Die Steinmetzarbeiten des Hochaltars aus rotem Marmor stammen von Josef Lauermann, während Ignaz Franz Platzer das Marienrelief und die Plastiken beisteuerte.

In der südlichen Seitenkapelle befinden sich auch noch die Gebeine von Gottfried Heinrich Graf von Pappenheim, der ein wichtiger Protagonist des Dreißigjährigen Kriegs war und als Generalfeldmarschall unter dem Befehl von Albrecht von Wallenstein 1632 in der Schlacht von Lützen den Tod fand. In dieser Schlacht, bei der mehr als 6.000 Soldaten ums Leben kamen, fiel auch Gustav II. Adolf von Schweden, einem der wichtigsten Figuren des Kriegs auf protestantischer Seite. 

Übrigens soll auch Wolfgang Amadeus Mozart hier einmal die Orgel ausprobiert haben und ob seiner meisterhaften Darbietung bei den anwesenden Besuchern für ungläubiges Staunen gesorgt haben.


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