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Der alte Königspalast auf der Prager Burg

Infothek

Adresse: Pražský hrad, 119 08 Prag 1

Wegbeschreibung:

Entweder fährt man zur Metrostation Malostranská und nimmt dann den Anstieg über über die alte Schlossstiege (staré zámecké schody). Man kann aber aber auch von der Metrostation die Trambahn-Linie 22 nehmen und zwei Stationen bis Pražský hrad fahren. Viele Besucher kommen auch von der Karlsbrücke, passieren die St.-Niklaskirche auf der Kleinseite, schlendern dann weiter die Nerudova entlang und biegen dann rechts in die Ke Hradu ein, die auch direkt zur Burg führt.

Route zum Alten Königspalast per Google-Maps »

Kartenansicht:

Öffnungszeiten und Eintritt:

Öffnungszeiten:
Anlage der Prager Burg: 6-22 Uhr
Objekte mit Eintritt: 9-17 Uhr (Winter: 9-16 Uhr)
Burggärten: 10-18 Uhr (Winter geschlossen)
St. Veitsdom: Wochentags: 9-17 Uhr (Winter 9-16 Uhr), Sonntag: 12-17 Uhr (Winter: 12-16 Uhr)

Preise:
Besichtigungsroute A (inkl. Eintritt für Veitsdom, Alter Königspalast, Ausstellung "Geschichte der Prager Burg", St.-Georgs-Basilika, Goldenes Gässchen mit Daliborka-Turm, Rosenberg Palais):  Normalpreis 350 Kč, ermäßigt 175 Kč, Familienticket 700 Kč.
Besichtigungsroute B (inkl. Eintritt für Veitsdom, Alter Königspalast, St.-Georgs-Basilika, Goldenes Gässchen mit Daliborka-Turm):  Normalpreis 250 Kč, ermäßigt 125 Kč, Familienticket 500 Kč. -> Ist in der "Prag Card" inbegriffen.
Besichtigungsroute C (inkl. Eintritt für Ausstellung der St.-Veits-Schatz und Bildergalerie der Prager Burg):  Normalpreis 350 Kč, ermäßigt 175 Kč, Familienticket 700 Kč. 

Gesamt-Preisliste der Prager Burg als PDF »

 

Zur Geschichte des Alten Königspalasts

Bild Eingang zum Alten Königspalast
Eingang zum Alten Königspalast, Photo von Von Mister No, CC BY 3.0, Link

An der Ostseite des dritten Burghofs, im Übergang von dritten Burghof zum Georgsplatz befindet sich der Eingang zum Alten Königspalast. An den übrigen Gebäudekomplex eingefasst wurde er im 18. Jahrhundert durch die Umbaupläne des Wiener Oberhofdirektors Nikolaus Pacassi. Es ist natürlich eines der ältesten Gebäude des Burgareals und war für Jahrhunderte die Schaltzentrale der Macht.Hier residierten - mit Unterbrechungen - die böhmischen Herrschergeschlechter der Přemysliden, der Luxemburger und der Jagiellonen vom 13. bis 16. Jahrhundert. Erst die Habsburger verlegten ab Mitte des 16. Jahrhunderts die herrschaftlichen Räumlichkeiten in den westlichen Teil der Burg.

Seine Anfänge gehen in das 12. Jahrhundert zurück, der Herrschaftszeit Soběslav I. aus dem Geschlecht der Přemysliden. Es sind mit Teilen der Befestigungsmauer und dem benachbarten Damenstift bis heute Reste des frühen Baus erhalten geblieben. Vladislav II. konnte den Bau 1158 abschließen. Erst Karl IV. ließ den Palast im größeren Stil ausbauen. In seinen Lebensbeschreibungen beklagte er sich über den schlechten Zustand des Palastes. Nach einem verheerenden Brand im Jahre 1541, dem auch der Wladislaw-Saal und die Allerheiligen-Kapelle zum Opfer fielen, zog sich der Wiederaufbau über Jahre hin. In der Folgezeit verlor der Königshof durch den Umzug der Habsburger seine politische Bedeutung. Diese gewann er in der Folgezeit nur noch durch ein Ereignis, das es aber in sich hatte: in den Räumen der böhmischen Kanzlei kam es zum zweiten Prager Fenstersturz im Jahre 1618. Dieses Ereignis markierte den Beginn des Dreissigjährigen Kriegs.

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Alten Königspalasts

Der Vladislav-Saal

Bild vom Wladislaw-Saal im Alten Königspalast in Prag

Geht man nach dem Eingang gerade aus durch den Vorraum, gelangt man direkt in den Wladislaw-Saal, der ohne Frage auch schon der architektonische Höhepunkt des Alten Königspalasts darstellt. Der riesige Saal ist 62 m lang, 16 m breit und 13 m hoch. Berühmt ist er vor allem durch sein Deckengewölbe, das von Benedikt Ried, einem in Landshut geborenen deutsch-böhmischen Architekten zwischen 1493 und 1500 entworfen wurde. Die meisterhaft verschlungenen Netzrippen ergeben ein komplexes Muster, das von höchster Virtuosität zeugt. Der Saal gilt als "bedeutendster gotischer Profanraum diesseits der Alpen" (zit. nach Detlev Arens).

Der Wladislaw-Saal wurde für wichtige Bälle, Bankette und Landtagssitzungen genutzt. Selbst Märkte wurde in ihm abgehalten und bei schlechtem Wetter fanden hier sogar Ritterturniere statt. Die Reiter sind hierzu über die heute noch begehbare Reitertreppe in den Saal gelangt. Nachdem in früheren Jahrhunderten hier nach dem Krönungszeremoniell dem König gehuldigt wurde, wird seit dem Jahre 1934 im Wladislaw-Saal der Staatspräsident gewählt.


Die Allerheiligenkapelle

Bild von Allerheiligenkapelle auf der Prager Burg
Allerheiligenkapelle, Photo von Francesco Gasparetti - originally posted to Flickr as Praga: castello, cappella del palazzo reale, CC BY 2.0, Link

Von der Stirnseite des Vladislav-Saals gelangt man in die Empore der Allerheiligenkapelle. Der erste Bau der Andachtsstätte geht auf das Jahr 1185 zurück. Die Kapelle war aber damals noch in der Nähe des Palastes, nicht Teil davon. Im Auftrag von Karl IV erfolgte zwischen 1356 und 1383 durch den berühmten Baumeister Peter Parler ein Umbau im frühgotischem Stil. Vorbild war hierbei die Sainte-Chapelle in Paris. Einher ging mit diesem Umbau die Gründung eines Kollegiatstifts, das hier seinen Sitz hatte.

Nach dem Burgbrand von 1541 wurde die Kapelle direkt mit dem Vladislav-Saal verbunden. Dabei wurden auch die Fenster verkleinert und eine einfachere Deckenlösung angebracht. Die Innenausstattung ist seit dem auch hauptsächlich im barocken Stil verblieben. Im Jahre 1969 wurde noch eine Barockorgel eingebaut, die aus einer kleinen Pfarrkirche in Skapce stammte.


Der Landtagssaal

Bild vom Landtagssaal auf der Prager Burg
Der Landtagssaal auf der Prager Burg / © casadaphoto/123RF.COM

Links von der Stirnseite des Wladislaw-Saals befindet sich der Landtagssaal. Wie schon die anderen Räumlichkeiten wurde auch dieser Raum im Großbrand von 1541 zerstört. Seine Wiederherstellung 1559-1563 übernahm Bonifaz Wolmut, ein deutscher Steinmetz, Baumeister und Architekt, der bis zum Jahre 1570 als kaiserlicher Baumeister in Prag für alle Bauten auf der Prager Burg verantwortlich war. Bei dem Wiederaufbau der Decke orientierte sich Wolmut stark an der grandiosen Deckenkonstruktion im Wladislaw-Saal von Ried. Bei der Gestaltung der Tribüne dagegen orientierte er sich an den Architekturformen der Renaissance. An den Wänden hängen Porträts Habsburger Herrscher des 18. und 19. Jahrhunderts.

Die Sitzordnung als habsburgische Machtdemonstration

Geschichtlich interessant ist die Anordnung des Mobiliars im Landtagssaal, das im 19. Jahrhundert rekonstruiert wurde und der Aufstellung einer typischen Tagung nach der "Verneuerten Landesordnung von 1627" entspricht, also wenige Jahre nach der Niederlage der protestantischen böhmischen Stände am Weißen Berg, als man den Truppen der katholischen Liga in der ersten großen Schlacht des Dreissigjährigen Kriegs vor den Toren Prag unterlag: Im Zentrum sieht man den Thron des Habsburgischen Königs, rechts vom König hatte der Erzherzog seinen Platz, auf einer langen Bank dahinter die katholische Geistlichkeit, die in besagter Landesverordnung den ersten Rang der Stände einnahm. An den Wänden saß der Adel, bestehend aus Herzögen, Fürsten und Grafen, die vorderen Bankreihen war den adeligen Herren und Rittern vorbehalten. Fast schon fernab vom Geschehen, hinter einer Schranke mussten die Vertreter der königlichen Städte im Stehen den Verhandlungen folgen. Zudem durften sie nur mit einer einzigen Stimme mit abstimmen.

Diese Sitzordnung repräsentiert auf das Genaueste die Machtverhältnisse in Böhmen und Prag seit 1620: im Gegensatz zur verbrieften Religionsfreiheit von früher, war der Katholizismus nunmehr die einzige, in Böhmen zugelassene Konfession. Die Macht der Stände wurde komplett beschnitten, wer zum Landtag zugelassen wurde, bestimmte der König. Das vormals mit einigen politischen Mitspracherecht ausgestattete Bürgertum in den Städten - gerade in Prag war der Protestantismus stark - wurden entmündigt. Zudem erklärten die Habsburger in diesem Dekret das Deutsche zur zweiten Amtssprache. Damit wurden hier Konflikte angelegt, die Böhmen noch Jahrhunderte beschäftigen sollten. 


Die Böhmische Kanzlei

Bild von der Böhmischen Kanzlei auf der Prager Burg heute
Die Böhmische Kanzlei auf der Prager Burg heute
Der Prager Fenstersturz
Der Prager Fenstersturz, hist. Darstellung von 1635

Kommt vom Haupteingang und Vorplatz in den Wladislaw-Saal, geht es rechts und damit vom südwestlichen Teils des Saals aus in die Räumlichkeiten des Ludwigsflügels hinein. Der Bereich wurde zwischen 1502 und 1509 von Benedict Ried entworfen und ist architektonisch im Stil der Frührenaissance erbaut worden. Die Räumlichkeiten waren als Wohnbereich für Ludwig II. vorgesehen, der schon mit 10 Jahren zum Herrscher von Böhmen wurde, aber, kaum Zwanzigjährig, im Jahre 1526 früh verstarb. Er war der letzte böhmische König aus dem Geschlecht der Jagiellonen, die seit dem 15. Jahrhundert als Könige in Böhmen herrschten. Danach ging die Herrschaft an die österreichische Linie der Habsburger über.

Im Jahre 1618 kam es hier zu einem folgenreichen Vorfall, der Auslöser für einen der katastrophalsten Kriege der Neuzeit wurde: dem Dreißigjährigen Krieg. Er ging als "Zweiter Prager Fenstersturz" in die Geschichtsbücher ein. Aufgebrachte protestantische Stände drangen in die Burg ein und warfen die königlichen Statthalter Jaroslav Borsita Graf von Martiniz und Wilhelm Slavata sowie den Kanzleisekretär Philipp Fabricius nach einem kurzen Schauprozeß aus dem Fenster. Die drei Herren überlebten allerdings den Sturz. Ob Ihnen da die weiten Mäntel zupass kamen oder sich unter dem Fenster, wie kolportiert wurde, ein Misthaufen befand, ist nicht mehr ganz zu rekonstruieren. Der Schauprozess, der jener Fenestration voranging, war improvisiert, man hat aber die Bestrafung selber sehr bewusst an den symbolträchtigen ersten Prager Fenstersturz von 1419 angelehnt, als seinerzeit aufgebrachte Jan-Hus-Anhänger auf dem Neustädter Rathaus am Karlsplatz in Prag zehn Personen aus dem Fenster warfen und damit die Hussitenkriege auslösten. Auslöser für die Aktion gut 200 Jahre später waren mehrere Verletzungen der den böhmischen Ständen zugestandene Religionsfreiheit, die ihnen Kaiser Rudolf II. 1609 in einem Majestätsbrief gewährt hatte und dessen Bestimmungen seine Nachfolger Kaiser Matthias und Ferdinand von Steiermark zunehmend missachteten.


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Veröffentlicht im Januar 2018.

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