Das Prager Loreto

Zum geschichtlichen Hintergrund und Baugeschichte des Prager Loretos

Die italienische Kleinstadt Loreto ist einer der wichtigsten Wallfahrtsorte der katholischen Welt dank einer Legende, die im 13. Jahrhundert bekannt wurde. Im Mittelpunkt der Heiligenerzählung steht die Casa Santa, das heilige Haus von Nazaret, in dem Maria, die Mutter Jesu, aufwuchs und die Verkündigung des Herrn empfing. Zum Schutz vor Ungläubigen trugen nun Engel das Haus aus Nazaret über Umwege in das kleine italienische Städtchen. Von hier aus verbreitete sich der Kult von Loreto im 15. Jahrhundert in die übrigen Länder Mitteleuropas und führte vor allem im Barock-Zeitalter zu einer regen Bautätigkeit. Allein in Böhmen wurden etwa 50 Wallfahrtsstätten nach dem italienischen Vorbild errichtet, deren bedeutendste das Prager Loreto ist.

Die Errichtung dieser Wallfahrtsstätten sollte natürlich den Katholizismus stärken, der in Böhmen durch populäre Bewegungen wie den der Hussiten im 15. Jahrhundert und ab dem 16. Jahrhundert durch die Reformation immer wieder unter Druck geriet. So stellte das Prager Loreto, dessen Baubeginn im Jahre 1626 nur wenige Jahre nach dem Sieg der katholischen Seite über die protestantischen Stände in Böhmen begann, ein wichtiges Symbol des Katholizismus im Geiste der Gegenreformation dar.

Die Außenfassade

Nachdem das Gelände rund um die Casa Santa im 17. Jahrhundert immer wieder mit Bauten erweitert wurde, beauftragte man 1721 den deutschen Baumeister Christoph Dientzenhofer (1655-1722) mit der Gestaltung einer Außenfassade. In Auftrag gegeben wurde das Bauvorhaben von Philipp Fürst Lobkowitz und seiner Gemahlin Eleonora Carolina, deren Wappen auch über dem Haupteingang zu sehen ist. Nach dem Tod des Vaters im Jahre 1722 übernahm sein Sohn Kilian Ignaz die Bauleitung. Die Dientzenhofers, die zu den bekanntesten Vertretern des Früh- und Hochbarock gehörten, gaben den in unterschiedlich Stilrichtungen angelegten Sakralbauten des Gebäudekomplexes ein einheitliches Aussehen. Im Gegensatz zu dem wuchtigen Baustil des gegenüber liegenden Palais Czernin ist die Außenfassade des Loreto viel feingliedriger gestaltet, dessen Stilelemente den Kunsthistoriker Detlev Arens auch eher an die Rokoko-Architektur erinnern.

Neben dem Lobkowitz-Wappen hat der Hofbildhauer Johann Friedrich Kohl (1681-1763) auch noch einige Plastiken der reich bestückten Fassade erschaffen, so die Statuengruppe des hl. Felix von Cantalice und die des hl. Nepomuk, möglicherweise auch die Statuengruppe der hll. Franziskus und Antonius über dem Hauptportal.

Der auffällige Glockenturm stammt aus dem Frühbarock und ist damit etwas älteren Datums. In seinem Inneren befinden sich 27 Glocken, die insgesamt 1540 Kilogramm wiegen. Sein Glockenspiel richtete 1694 der Prager Uhrmacher P. Naumann ein. Im Sommer erklingt zu jeder vollen Stunde das tschechische Marienlied "Tisíckráte pozdravujem tebe" (Tausend Mal grüßen wir Dich, Maria).

Casa Santa

Die Casa Santa ist das erste Bauwerk des Prager Loretos und wurde nach Plänen von Giovanni Battista Orsi zwischen 1626 und 1631 erbaut. Gestiftet wurde die Marienwallfahrtskirche von Gräfin Benigna Katharina von Lobkowitz.

Zu Anfang waren die Außenwände noch schlicht gestaltet und zeigten nur eine einfache Bemalung. Seine heutige Ausstaffierung mit Säulen, Skulpturen und Stuckreliefs stammen aus dem Jahre 1664 und wurden von den Künstlern G. Agosto, G. B. Colombo und Giovanni Battista Cometa gestaltet. Zur Darstellung kommen hier Szenen aus dem Leben Marias sowie der alttestamentarischen Propheten. 

Auch im Inneren wird auf Wandmalereien das Leben Marias erzählt. Sie stammen aus dem 17. Jahrhundert. In dem kleinen Betraum befindet sich zudem ein silberner Altar sowie eine aus Lindenholz geschnitzte Marienfigur.

Der Loretoschatz

Die Schatzkammer des Prager Loretos, die sich im Westtrakt des oberen Umgangs befindet, besitzt viele liturgische Gegenstände des 16.-18. Jahrhunderts. Es kam in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder zu Plünderungen, vor allem von staatlicher Seite, wenn deren leere Staatskassen mal wieder gefüllt werden mussten. Dennoch kann man auch heute noch viele Meisterwerke böhmischer Goldschmiedekunst in den Räumlichkeiten besichtigen.

Höhepunkt der Sammlung ist sicherlich die 90 Zentimeter hohe, 12 Kilogramm schwere Diamantenmonstranz, die im Jahre 1699 in Wien von den Juwelieren Matthias Stegner und Johann Künischbauer aus vergoldetem Silber gestaltet wurde und über 6.000 Diamanten fasst. Strahlt die Sonne auf den mit Diamanten besetzten Strahlenkranz, leuchtet die Monstranz in einem unvergleichlichen Glanz. Darum wird dieses Kunstwerk auch die "Prager Sonne" genannt.


Adresse:

Loretánské nám. 7/100, 118 00 Prag 1

Wegbeschreibung:
Von der Burg kommend, hält man sich am Hradschiner Platz (Hradčanské náměstí) links und geht einfach weiter auf die Loretánská und biegt dann rechts in den Loretánské nám. (Loreto-Platz). Mit der Straßenbahnlinie 22 oder 23 fährt man bis zur Haltestelle "Pohořelec", biegt dann links in die gleichnamige Straße ein, bis man in die Loretánská und schließlich zum Loretánské nám. gelangt. 

Kartenansicht:

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