1. Prag » 
  2. Die Stadtviertel » 
  3. Das Josefov in Prag » 
  4. Die Altneu-Synagoge

Die Altneu-Synagoge von Prag

Adresse: Červená 250/2, Josefov, 110 00 Prag

Wegbeschreibung:

Man geht vom Altstädter Ring in die Pařížská und geht diese immer gerade aus. Linker Hand kommt dann die Altneu-Synagoge.

Google-Maps:

 

Zur Geschichte der Altneusynagoge

Die Altneusynagoge in Prag

Woher kommt dieser ungewöhnliche Name, dieses Oxymoron, fragen sich viele, wenn sie das erste Mal von der Altneu-Synagoge hören oder lesen? Alt und neu in einem Wort?

Es gibt verschiedene Mythen und Erklärungen dazu, die in einem Fall bis ins ferne Jerusalem reichen und im Prager Boden den Grundstein des dortigen heiligen Tempel vermuten, der von Engeln unter der Bedingung überreicht wurde, dass er am Jüngsten Tag wieder zurückgebracht werde. Etwas prosaischer, aber auch wirklichkeitsnäher klingt die Vermutung, dass die jetzige "Altneusynagoge" zu Anfang einfach nur "Neue Synagoge" hieß und umbenannt wurde als eine weitere, inzwischen aber wieder abgerissene Synagoge in der Nähe erbaut wurde.

Errichtet wurde die Altneu-Synagoge um 1270 und ist damit die älteste erhaltene Synagoge in Europa und stellt auch einer der frühesten gotischen Bauten von Prag dar. Auffällig ist der Bau durch das steil aufragende Satteldach mit den gotischen Giebeln.



Der Innenbereich der Synagoge

Altneusynagoge innen, Aufnahme von 1910

Das Portal bzw. den Tympanon am Eingang zum Hauptraum ziert ein Weinstock-Relief als Zeichen ewigen Lebens. Im Vorraum rechts erkennt man zwei frühbarocke Geldschränke. Hier wurden früher angeblich alle Gelder aufbewahrt, die als Judensteuer an den jeweiligen Herrscher abgeführt werden mussten. Im Inneren der Synagoge dann nehmen die männlichen Gläubigen auf den Sitzplätzen entlang der Wände Platz. Diese Sitze wurden von den Gemeindemitgliedern bezahlt und an deren Nachkommen weiter gegeben. In der Mitte des Raumes befindet sich die sog. Bima (oder auch Almemor), die Rednertribüne mit dem Pult zum Vorlesen der Thora. Umfasst wird dieser Bereich durch ein Gitter. Darüber ist die Fahne mit dem Wappen der Prager Juden angebracht: ein sechszackiger Davidstern mit dem Judenhut. Die Fahne war eine Gabe Karl IV. und symbolisiert die vom König verliehenen Privilegien. An der Ostmauer befindet sich noch der Schrein, in dem die Tora-Rollen aufbewahrt werden. Dier Standort des Toraschreins muss nach jüdischem Glaubem immer gen Jerusalem gerichtet sein.

Es werden auch heute noch in der Altneu-Synagoge Gottesdienste abgehalten und männliche Besucher sind generell angehalten, die Synagoge mit Kopfbedeckung zu betreten. Während des Gottesdienstes dürfen nur Männer den Hauptraum betreten, Frauen nehmen in einem Nebenschiff Platz und verfolgen das Geschehen durch schmale Öffnungen.

Der Golem im Dachgestühl der Altneusynagoge?

Egon Erwing Kisch, Quelle: Wikimedia Commons

Einer Legende nach, die der sog. "rasende Reporter" Egon Erwin Kisch während des ersten Weltkriegs zu lesen bekam, wurde der Lehmkoloss des Golems nach seinem Ableben (Details siehe: Die Prager Golemsage) auf den Dachstuhl der Altneusynagoge gebracht. In zwei Gebetmäntel verpackt wurde er unter einem Stapel alter Bücher und Papiere gebettet und fortan war es jedem untersagt den Dachstuhl zu betreten.

Natürlich war das für einen investigativen Journalisten der ersten Stunde ein Muss der Sache nachzugehen. Nach einigen vergeblichen Anläufen erhielt er vom Tempelvorstand die Erlaubnis auf das Dach zu klettern. Dazu benutzte er die auf Anordnung der Feuerpolizei im Jahre 1880 angebrachten Eisenklammern (die man auch heute noch an Westfront der Altneusynagoge sehen kann), steigt die 18 Sproßen hoch, sperrt die dort oben befindliche Eisentür auf und klettert hinein. Neben viel Geröll, einem toten Vogel und einer Fledermaus entdeckt er auch noch Folgendes: 

"In den Senkungen der aneinanderstoßenden Wölbungen oberhalb der Widerlager ist der Schotter durch Kalkstaub und Feuchtigkeit zu einem Konglomerat geworden. Wenn darunter der Lehmskulptur des Rabbi Löw das Grab bereitet ist, niemals wird sie gefunden werden. Wollte man sie exhumieren, so stürzte der Tempel ein."

Das Ambiente, die Stimmung, alles würde passen, nur die fehlenden Statik macht der Entdeckerfreude des Autors einen Strich durch die Rechnung und so muss er die kleine Expedition abbrechen. Somit wissen wir auch heute noch nicht, was genau da oben lagert. Und das ist auch gut so.

Mit Sicherheit aber lässt sich sagen, dass die Texte Egon Erwin Kischs auch heute noch absolut lesenswert sind. Eine schöne Sammlung von Reportagen hat der Wagenbach Verlag letztens herausgebracht, die unter folgendem Titel erschienen sind:

Egon Erwin Kisch: Das Lied von Jaburek: Prager Reportagen.

Buch bei Amazon bestellen »



Empfehlungen Reiseführer:

Prag & Tschechische Republik (lonely planet)

Sehr guter und aktueller Reiseführer (von März 2015) mit vielen Übersichtskarten und Tipps in erstklassiger Qualität.


DuMont Reise-Taschenbuch Reiseführer Prag

Ähnlich wie der Reiseführer von "lonely planet", etwas kompakter im Format, in ausgezeichneter Papierqualität. Inhaltlich mit vielen schönen Aufnahmen und sehr guten geschichtlichen Exkursionen, die einem auch viel Hintergrundwissen liefert, ohne dabei ausufernd zu werden.
Erschienen im Dezember 2015.


Empfehlung Bildband:

Das Prag Buch: Highlights einer faszinierenden Stadt

Dieses Buch bietet nicht nur Highlights, es ist selber ein Highlight. Exquisite Aufnahmen, die einen Augenschmaus bieten, garniert mit kurzen, aber informativen Texten. Ein prima Buch für den Abend auf der Couch.


 
nach oben