Die Altneu-Synagoge von Prag

Zur Geschichte der Altneusynagoge

Woher kommt dieser ungewöhnliche Name, dieses Oxymoron, fragen sich viele, wenn sie das erste Mal von der Altneu-Synagoge hören oder lesen? Alt und neu in einem Wort?

Es gibt verschiedene Mythen und Erklärungen dazu, die in einem Fall bis ins ferne Jerusalem reichen und im Prager Boden den Grundstein des dortigen heiligen Tempel vermuten, der von Engeln unter der Bedingung überreicht wurde, dass er am Jüngsten Tag wieder zurückgebracht werde. Etwas prosaischer, aber auch wirklichkeitsnäher klingt die Vermutung, dass die jetzige "Altneusynagoge" zu Anfang einfach nur "Neue Synagoge" hieß und umbenannt wurde als eine weitere, inzwischen aber wieder abgerissene Synagoge in der Nähe erbaut wurde.

Errichtet wurde die Altneu-Synagoge um 1270 und ist damit die älteste erhaltene Synagoge in Europa und stellt auch einer der frühesten gotischen Bauten von Prag dar. Auffällig ist der Bau durch das steil aufragende Satteldach mit den gotischen Giebeln.

Der Innenbereich der Synagoge

Das Portal bzw. den Tympanon am Eingang zum Hauptraum ziert ein Weinstock-Relief als Zeichen ewigen Lebens. Im Vorraum rechts erkennt man zwei frühbarocke Geldschränke. Hier wurden früher angeblich alle Gelder aufbewahrt, die als Judensteuer an den jeweiligen Herrscher abgeführt werden mussten. Im Inneren der Synagoge dann nehmen die männlichen Gläubigen auf den Sitzplätzen entlang der Wände Platz. Diese Sitze wurden von den Gemeindemitgliedern bezahlt und an deren Nachkommen weiter gegeben. In der Mitte des Raumes befindet sich die sog. Bima (oder auch Almemor), die Rednertribüne mit dem Pult zum Vorlesen der Thora. Umfasst wird dieser Bereich durch ein Gitter. Darüber ist die Fahne mit dem Wappen der Prager Juden angebracht: ein sechszackiger Davidstern mit dem Judenhut. Die Fahne war eine Gabe Karl IV. und symbolisiert die vom König verliehenen Privilegien. An der Ostmauer befindet sich noch der Schrein, in dem die Tora-Rollen aufbewahrt werden. Dier Standort des Toraschreins muss nach jüdischem Glaubem immer gen Jerusalem gerichtet sein.

Es werden auch heute noch in der Altneu-Synagoge Gottesdienste abgehalten und männliche Besucher sind generell angehalten, die Synagoge mit Kopfbedeckung zu betreten. Während des Gottesdienstes dürfen nur Männer den Hauptraum betreten, Frauen nehmen in einem Nebenschiff Platz und verfolgen das Geschehen durch schmale Öffnungen.

Der Golem im Dachgestühl der Altneusynagoge?

Einer Legende nach, die der sog. "rasende Reporter" Egon Erwin Kisch während des ersten Weltkriegs zu lesen bekam, wurde der Lehmkoloss des Golems nach seinem Ableben (Details siehe: Die Prager Golemsage) auf den Dachstuhl der Altneusynagoge gebracht. In zwei Gebetmäntel verpackt wurde er unter einem Stapel alter Bücher und Papiere gebettet und fortan war es jedem untersagt den Dachstuhl zu betreten.

Natürlich war das für einen investigativen Journalisten der ersten Stunde ein Muss der Sache nachzugehen. Nach einigen vergeblichen Anläufen erhielt er vom Tempelvorstand die Erlaubnis auf das Dach zu klettern. Dazu benutzte er die auf Anordnung der Feuerpolizei im Jahre 1880 angebrachten Eisenklammern (die man auch heute noch an Westfront der Altneusynagoge sehen kann), stieg die 18 Sproßen hoch, sperrte die dort oben befindliche Eisentür auf und kletterte hinein. Neben viel Geröll, einem toten Vogel und einer Fledermaus entdeckte er auch noch Folgendes: 

 

"In den Senkungen der aneinanderstoßenden Wölbungen oberhalb der Widerlager ist der Schotter durch Kalkstaub und Feuchtigkeit zu einem Konglomerat geworden. Wenn darunter der Lehmskulptur des Rabbi Löw das Grab bereitet ist, niemals wird sie gefunden werden. Wollte man sie exhumieren, so stürzte der Tempel ein."

Das Ambiente, die Stimmung, alles würde passen, nur die fehlenden Statik machte der Entdeckerfreude des Autors einen Strich durch die Rechnung und so musste er die kleine Expedition abbrechen. Somit wissen wir auch heute noch nicht, was genau da oben lagert. Und das ist auch gut so.

Mit Sicherheit aber lässt sich sagen, dass die Texte Egon Erwin Kischs auch heute noch absolut lesenswert sind. Eine schöne Sammlung von Reportagen hat der Wagenbach Verlag letztens herausgebracht, die unter folgendem Titel erschienen sind:

Egon Erwin Kisch: Das Lied von Jaburek: Prager Reportagen.

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Adresse:

Maiselova 18, 110 01 Staré Město, Prag

Wegbeschreibung:
Man geht vom Altstädter Ring in die Pařížská und geht diese immer gerade aus. Linker Hand kommt dann die Altneu-Synagoge.

Route per Google Maps:

Route zur Altneusynagoge per Google-Maps »

Öffnungszeiten:
November - März: Mo, Di, Mi, Do, Fr, So, 9.00 - 17.00 Uhr
April - Oktober: Mo, Di, Mi, Do, Fr, So, 9.00 - 18.00 Uhr
Samstags und an jüdischen Feiertagen geschlossen, Freitags wird die Synagoge eine Stunde vor Sabbat-Beginn (also eine Stunde vor Sonnenuntergang) geschlossen.

Aktuelle Eintrittspreise können hier eingesehen werden »

Eintrittskarten und Führung können hier günstig vorbestellt werden »

 

Kartenansicht:

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