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Palais Schönborn

Adresse: Tržiště 365/15, 118 00 Prag

Wegbeschreibung:
Das Palais Schönborn, in dem sich heute die amerikanische Botschaft befindet, liegt auf der "Kleinseite" und ist bequem von der Karlsbrücke aus zu erreichen. Man geht von der Brücke aus die Straße weiter entlang bis zum Malostranské náměstí und der nicht zu übersehenden St. Nikolaus Kirche, biegt davor aber links in die Karmelitska ab und geht danach rechts in die Tržiště.

Google-Maps:

 

Ein luxuriöses Zuhause

Das Palais Schönborn war der letzte Versuch Kafkas selbständig in Prag zu leben. Kafka, der die Wohnung "Zum goldenen Hecht" wieder aufgab, fand hier, am Fuße des Laurenziberges neben seinem "Arbeitszimmer" in der "Goldenen Gasse" ein recht luxuriöses Zuhause, dass, so fürchtete er, seine finanziellen Mittel übersteigen könnte. Als er die Wohnung in einem Wohnungsbüro genannt bekam, konnte er es am Anfang kaum glauben:

"Es war wie die Erfüllung eines Traumes. Ich ging hin. Zimmer hoch und schön, rot und gold, wie etwa in Versailles. Vier Fenster in einen ganz versunkenen stillen Hof, ein Fenster in den Garten. Der Garten! Wenn man in den Torweg des Schlosses kommt, glaubt man kaum, was man sieht. Durch das Halbrund des von Karyatiden flankierten zweiten Tores sieht man von schön verteilten, gebrochenen verzweigten steinernen Treppen an den großen Garten eine weite Lehne langsam und breit hinaufsteigen bis zu einer Gloriette." (Brief an Felice Bauer 1916/17)

Nachdem der erste Anlauf im November 1916 aus Kostengründen noch nicht geklappt hatte, bekam er nach ein paar Monaten eine weitere, einfacher gehaltene Zwei-Zimmer-Wohnung im Palais angeboten, die er dann im März 1917 anmietete.



Ausbruch der Krankheit

Franz Kafka 1917, Quelle: Wikimedia Commons.

In der Nacht vom 12. auf den 13. August 1917 widerfuhr ihm im Palais Schönborn mit dem Blutsturz jenes einschneidende Erlebnis, das sein Leben von Grund auf ändern sollte. Fast schon mit Erleichterung nahm er dieses Ereignis auf, wie er später in einem Brief an Milena schreibt:

"Vor etwa 3 Jahren begann es bei mir mitten in der Nacht mit einem Blutsturz. Ich stand auf, angeregt wie man durch alles neue ist (statt liegen zu bleiben, wie ich es später als Vorschrift erfuhr), natürlich auch etwas erschreckt, ging zum Fenster, lehnte mich hinaus, ging zum Waschtisch, ging zum Waschtisch, ging im Zimmer herum, setzte mich auf`s Bett - immerfort Blut. Dabei war ich gar nicht unglücklich, denn ich wußte allmählich aus einem bestimmten Grunde, daß ich nach 3,4 fast schlaflosen Jahren, vorausgesetzt, daß die Blutung aufhört, zum erstenmal schlafen werde. Es hörte auch auf (kam auch seitdem nicht wieder) und ich schlief den Rest der Nacht."

Der erst diagnostizierte Bronchialkatarrh erwies sich alsbald als Tuberkulose. Kafka gab daraufhin  beide Wohnungen auf und wohnte fortan, wenn er nicht zu Erholungsurlauben in Sanatorien verweilte, bis zu seinem Tod im Jahre 1924 wieder in seinem Zimmer bei den Eltern im Oppelthaus.



Buchempfehlungen zu Kafka und Prag:

Klaus Wagenbach: "Kafkas Prag: Ein Reiselesebuch"

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Mit diesem handlichen Buch im Rucksack lassen sich die wichtigsten Plätze vor Ort in Prag besuchen.


Hartmut Binder: "Kafkas Welt"

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Detailverliebt und mit einer schier überbordenden Fülle an großartigem Bildmaterial ist dieses Buch etwas für den Leseabend auf dem heimischen Sofa.


 
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