1. Kafka & Prag » 
  2. Kafkas Domizile » 
  3. Die Bilekgasse

Die Bilekgasse

Adresse: Bílkova 868/10, 110 00 Praha

Wegbeschreibung:

Wenn man vom Altstädter Ring kommt, geht man die Pařížská entlang bis man rechts in die Bílkova abbiegt.

Google-Maps:

 

Beginn des ersten Weltkriegs

Haus in der Bilekgasse heute

Es ist die Zeit des ersten Weltkriegs: Der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien vom 28. Juli 1914 folgte am 31. Juli die Allgemeine Mobilisierung. Das hatte gravierende Folgen für die Familie Kafka. Während Franz Kafka zwar für tauglich, aber als für die  Versicherungsanstalt unabkömmlich vom Militär freigestellt blieb, mussten seine beiden Schwager, Karl Herrmann und Josef Pollak, sofort einrücken. Auch Kafkas engste Freunde wie Max Brod, Oskar Baum oder Felix Weltsch werden sofort oder in den folgenden Monaten einberufen.

Franz Kafka notiert dieses epochale Ereignis scheinbar unbewegt in dem berühmt gewordenen Kurzeintrag am 2. August 1914 in seinem Tagebuch:

Deutschland hat Rußland den Krieg erklärt. - Nachmittag Schwimmschule.

Am Samstag den 1. August brachte man den einberufenen Karl Herrmann, Ellis Ehemann, zum Zug und beschloss kurzerhand, dass Elli und ihre zwei kleinen Kinder nicht alleine in ihrer Wohnung zurückbleiben sollten. Sie zogen in Franzens Zimmer der elterlichen Wohnung ein. Kafka war somit bereits 31 Jahre alt, als er - mehr unfreiwillig - das erste Mal das Elternhaus verließ. Er wohnte daraufhin in die Wohnung seiner Schwester Valli Pollak. Das Haus ist auch heute noch gut erhalten.

Es war ein provisorisches Quartier, das er nur während des Sommerurlaubs der Familie bewohnen konnte. Ein gutes halbes Jahr später wohnte er noch einmal als Hauptmieter in einer möblierten Wohnung desselben Hauses, kündigte aber nach ungefähr einem Monat wieder, da er sich durch die lauten Geräusche der Nachbarn gestört fühlte.



Zeit des Umbruchs

Franz Kafka machte eine schwierige Zeit durch. Seine Verlobung mit Felice Bauer war wenige Wochen vorher unter für ihn traumatischen Erlebnissen aufgelöst worden. So schreibt er am 3. August 1914 in sein Tagebuch:

"Keine ersehnte Frau öffnet die Tür. In einem Monat hätte ich heiraten sollen. Ein furchtbares Wort: Wie Du es wolltest, so hast Du es. Man steht an der Wand schmerzhaft festgedrückt, senkt furchtsam den Blick, um die Hand zu sehn, die drückt und erkennt mit einem neuen Schmerz der den alten vergessen macht, die eigene verkrümmte Hand, die mit einer Kraft, die sie für gute Arbeit niemals hatte, dich hält. Man hebt den Kopf, fühlt wieder den ersten Schmerz, senkt wieder den Blick und hört mit diesem Auf und Ab nicht auf."

Wenige Tage später begann er in seinem provisorischem Quartier mit der Arbeit an dem Roman "Der Process", der nicht zuletzt auch eine Aufarbeitung dieser letzten Monate war.


Das Oppelthaus « zurück | weiter » Die Nerudagasse


Buchempfehlungen zu Kafka und Prag:

Klaus Wagenbach: "Kafkas Prag: Ein Reiselesebuch"

Buchcover Klaus Wagenbach - Kafkas Prag

Mit diesem handlichen Buch im Rucksack lassen sich die wichtigsten Plätze vor Ort in Prag besuchen.


Hartmut Binder: "Kafkas Welt"

Buchcover Hartmut Binder - Kafkas Welt

Detailverliebt und mit einer schier überbordenden Fülle an großartigem Bildmaterial ist dieses Buch etwas für den Leseabend auf dem heimischen Sofa.


 
nach oben