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Der Salon der Berta Fanta

Adresse: Staroměstské nám. 551/17, Staré Město, 110 00 Prag

Wegbeschreibung:

Das Haus "Zum Einhorn" befindet sich auf der Südseite des Altstädter Rings, kurz bevor man in die Celetna einbiegt.  An dem Haus ist eine Büste von Albert Einstein angebracht.

Google-Maps:

 

Philosophie und Esoterik

Haus "Zum weißen Einhorn"

Die Familie Fanta übersiedelte in das Haus "Zum Einhorn" im Oktober 1903. Während im Erdgeschoß Max Fanta die Apotheke führte, befand sich die Privatwohnung der Familie im Stockwerk darüber. Das ursprünglich aus dem Mittelalter stammende Gebäude wurde im Jahre 1725 in eine barockes Bürgerhaus umgebaut. Schon im 18. Jahrhundert ist in diesem Haus eine Apotheke nachgewiesen. Im Jahre 1756 wurde hier auch die Opernsängerin Josefine Dušek geboren, eine Freundin Mozarts, die diesen auch finanziell unterstützte.

In der Wohnung über der Apotheke führte die Ehefrau Berta einen kulturellen Salon, wo musiziert, vorgelesen und diskutiert wurde. In diesem Salon, der vor dem ersten Weltkrieg seine Blütezeit erlebte, fanden sich viele bekannte Prager Intellektuelle ein, aber auch auswärtige Persönlichkeiten waren gern gesehene Gäste. So ist ein Besuch von Rudolf Steiners nachgewiesen, dem Begründer der Anthroposophie und schon damals eine weithin bekannte Persönlichkeit. Auch Albert Einstein, der in den Jahren 1911 und 1912 als Professor der theoretischen Physik für drei Semester an der Prager Universität arbeitete, war immer wieder mal ein Gast bei Veranstaltungen. Ob es dabei auch zu einem Zusammentreffen mit Franz Kafka kam, ist nicht nachweisbar, aber denkbar.



Man las gemeinsam philosophische Werke von Kant, Fichte und Hegel, war aber auch der Esoterik und den in Mode gekommenen Heilslehren nicht abgeneigt. Spiritus rector des Salons war, neben Frau Fanta, Hugo Bergmann, ein Schulfreund Kafkas, der in Prag und Berlin Philosophie und Naturwissenschaften studierte und die Tochter des Hauses, Else Fanta, im Jahre 1908 heiratete.

Kafka nahm seit seiner Studienzeit sporadisch an Lesungen und Diskussionsabenden teil, war aber trotz seiner zurückgenommenen Art in dem Kreis aufgrund seines Humors sehr geschätzt. Die Tochter Else war wohl in ihren jungen Jahren etwas verliebt in den schüchternen Autor. Ein undatiertes Gedicht von ihr bezeugen diese Gefühle:

Erinnerung
für F. K.
Ich habe vielerlei Männer genossen
Neugier des Leibes und heißer Drang
Doch einmal nur himmlischen Grund getroffen
In dieses Lebens jagender Zeit
Es war ein Hauch, kaum wars ein Kuss
Es traf ein leichter, goldner Strahl mein Herz
Ein einzig, winzig-kleiner Augenblick,
Hat meinem ganzen Leben Licht gebracht,
Und deine Worte: Freundschaft, Güte tragend
vielleicht – Unsterblichkeit.


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