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Das Lucerna

Adresse: Štěpánská 61, 116 02 Praha 1-Nové Město

Wegbeschreibung:

Die Štěpánská geht direkt vom Wenzelsplatz ab, in der Nähe befindet sich die Metrostation Můstek.

Google-Maps:

 

Zur Geschichte des "Lucerna"

Die Lucerna-Passage

Das Lucerna war das erste moderne Mehrzweckgebäude in Prag. Der Bau des siebenstöckigen Hauses begann 1907 und endete mit der Fertigstellung des „Großen Saals“ im Jahre 1920. Maßgeblich geplant wurde der Gebäudekomplex von Vaclav Havel, dem Großvater des gleichnamigen Schriftstellers und tschechischen Staatspräsidenten. Der Name ging wohl auf Frau Havel zurück, die der Anblick der Fassade an eine Laterne (tschechisch Lucerna) erinnerte. Das zwischen Vodičkova (Wassergasse) und Štěpánská (Stephansgasse) gelegene Gebäude verbindet die beiden Straßen durch eine schöne Passage, die zu Anfang des letzten Jahrhunderts ein weiteres Novum darstellte und die erste dieser Art in Prag war.

Eingang Lucerna-Kino

In der im modernistischen Stil erbauten Lucerna-Passage erkennt man auch viele Jugendstil-Elemente. Neben Geschäften, Cafes, Bars und Restaurants findet man hier auch das altehrwürdige Lucerna-Kino. Es wurde am 3. Dezember 1907 eröffnet und zählt heute zu den ältesten Kinos Europas. Franz Kafka, ein begeisterter Cineast, sah sich hier wiederholt Filme an.



Das Cabaret Lucerna

Im unteren Stockwerk des Gebäudes befindet sich der „Große Saal“, der früher der größte Saal in Prag war und in seiner langen Geschichte Auftritte von Josephine Baker oder Jazzgrößen wie Louis Armstrong und Ella Fitzgerald erlebte. Es ist auch heute noch ein verschiedentlich genutzter Konzertsaal. Übrigens war dieser Raum ursprünglich als Eispalast geplant, die Pläne wurden aber wieder fallen gelassen, da die technischen Anforderungen zu hoch waren und das Budget nicht reichte.

Wiederum im Untergeschoß befindet sich noch ein zweiter und kleinerer Saal, der früher „Orangensaal“ genannt wurde und in dem sich heute ein bekannter Rockclub befindet. Hier öffnete im September 1910 das „Cabaret Lucerna“ seine Pforten, deren Aufführungen auch von Franz Kafka und seinen Freunden gerne besucht wurden. Man legte bei der Programmgestaltung großen Wert darauf sich vom Klamauk anderer Etablissements dieser Zeit zu unterscheiden. Auf seiner Kleinkunstbühne wurden Gesang, Tanz und Wortbeiträge vorgetragen. Dass nicht jede Darbietung nach Kafkas Geschmack war, bezeugen die Zeilen Kafkas in einem Brief an Felice Bauer vom 6./7. März 1913, die er in der Pause einer Aufführung im Lucerna schrieb:

Ich trage meine Müdigkeit Liebste ins Kabaret, wo ich jetzt sitze und in der Pause Dir schreibe. Die Musik stört mich, der Rauch fährt mir ins Gesicht, eine Tänzerin (Du lieber Gott, wie ich den Tanz verstehe!) die als Matrose getanzt hat (der Schwung und das Aufstampfen und das Körperdehnen und der leicht gesenkte Kopf, als sie den Rindgang von neuem begann) steht im Promenoir herum und will doch auch angesehen werden - trotzdem ich bin froh mich an dieses Dir gehörige Papier zuhalten und - so sonderbar das Briefschreiben hier aussieht- gerade dadurch - niemand weiß es - Mensch unter Menschen zu sein.“ (Franz Kafka „Briefe an Felice Bauer“, S. 341-342)

David Černý und die Wenzel-Statue

Wenzel Statue von David Černý

Ein bekannter Anziehungspunkt der Lucerna-Passage ist die Wenzel-Statue von David Černý, die den tschechischen Nationalheiligen reitend auf einem nach unten hängenden Pferd zeigt. Man mag darin eine antinationalistische Parodie erkennen oder einfach nur eine gelungene Verballhornung der klassischen Reiterstatue vom Wenzelsplatz: Eine Antwort darauf wird man vom Künstler nicht erhalten, der sich nie zu seinen Kunstwerken äußert.

Es übKafka-Skulpturerrascht wie oft man der satirischen Kunst Černýs im Stadtbild von Prag begegnet. So stammt der „Trabi auf Füßen“ im Garten der deutschen Botschaft ebenso von ihm, wie die gesichtslosen Babys, die den Fernsehturm empor krabbeln. Zwei seiner Werke beschäftigen sich auch mit Franz Kafka: Neben den Brunnen mit den pinkelnden Figuren im Gelände des Kafka-Museums (siehe auch: Opens internal link in current windowKafka-Museum), kann man seit dem November 2014 neben dem Einkaufszentrum Quadrio (Metrostation Národní) eine elf Meter hohe Eisenskulptur mit dem Konterfei des Dichters bewundern, die über 42 beweglichen Ebenen das Gesicht des Dichters permanent auflösen und wieder in unterschiedlichen Richtungen neu zusammensetzen.


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