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Cafe Savoy

Adresse: Vězeňská 11, 110 00 Prag

Wegbeschreibung:

Vom Altstädter Ring aus geht man nach Nordosten, links vom Kinsky Palais, in die Straße Dlouhá, diese geht dann über in die Kozí und folgt ihrem leichten Linksknick bis zum Ende. Dort kreuzt dann die Vězeňská, an deren Eck derzeit das Restaurant "katr" liegt. In deren Räumlichkeiten lag früher das Cafe Savoy.

Google-Maps:

 

Eine Schauspieltruppe aus Lemberg

Das ehemalige Cafe Savoy heute

In den Räumlichkeiten des ehemaligen Cafe Savoy befindet sich heute ein modernes Restaurant. Geht man durch die Eingangstür nach rechts und folgt dann dem Gang links, sieht man den ehemaligen Zuschauerbereich vor sich, wo Franz Kafka voller Begeisterung von Ende Oktober 1911 bis Februar 1912 ungefähr 20 Aufführungen einer ostjüdischen Schauspieltruppe aus Lemberg verfolgte. Am Ende des Raums, wo heute das Lokal mit einer Wand abschließt, befand sich früher dahinter die eigentliche Bühne. Und rechts von dieser Bühne ging es noch weiter in einen Spielzimmer, wo auch Billard gespielt wurde, wie der Kafka-Forscher Hartmut Binder rekonstruierte. Es war alles sehr eng hier und das Publikum bestand hauptsächlich aus einfachen Leuten der Nachbarschaft. Der Wirt des Nachtcafe Savoy war übrigens mehrfach durch agressives Verhalten polizeiauffällig geworden und auch der Türsteher war ein bekannter Zuhälter.



Die Schauspieltruppe, deren Darsteller kaum das Existenzminimum erwirtschaften konnten, führten jiddische Theaterstücke auf. Als Vorprogramm gab es zudem Rezitationen und Gesangsnummern. Bei den Liedern wurde auch das Publikum animiert mitzusingen, wie es überhaupt sehr lebhaft und oft auch improvisiert auf der Mini-Bühne zuging; und bei mancher Szene konnte man nicht immer genau unterscheiden, ob der Streit auf dem Podium nun zum Stück gehörte oder ob sich die Schauspieler nicht einfach mal wieder in Haare bekommen haben. Für Kafka zeigte sich bei den Aufführungen eine Ursprünglichkeit der jüdischen Welt, die ein assimilierter Westjude wie er so nicht kannte und die ihn begeisterte. Er erkannte aber auch in der Erfolglosigkeit der Schauspieler und dem Mitleid, das ihm dabei überkam, einen Selbstbezug, der ihn auch deshalb noch enger mit dem Geschehen verband:

Das Mitleid, das wir mit diesen Schauspielern haben, die so gut sind und nichts verdienen und auch sonst bei weitem nicht genug Dank und Ruhm bekommen, ist eigentlich nur das Mitleid über das traurige Schicksal vieler edler Bestrebungen und vor allem der unseren. Darum ist es auch so unverhältnismäßig stark, weil es sich äußerlich an fremde Leute hält und in Wirklichkeit zu uns gehört. Trotzdem ist es aber mit den Schauspielern immerhin so eng verbunden, daß ich es nicht einmal jetzt von ihnen lösen kann. Weil ich es erkenne, bindet es sich zum Trotz noch mehr an sie.
Tagebucheintrag vom 22.10.1911

Mit einem der Schauspieler, Jizchak Löwy, freundete sich Kafka an und er blieb auch nach der Abreise der Schauspieltruppe noch Jahre lang in Briefkontakt mit ihm. Über Löwy erfuhr er viel über das jüdische Leben in Polen und er war vor allem begeistert von dessen anekdotenreichen Erzählkunst. Kafka versuchte auch für seinen Freund weitere Engagements in der Provinz ausfindig zu machen und organisierte für ihn einen Vortragsabend im Jüdischen Rathaus, wo Kafka dann an diesem Abend die Einführungsrede vor einem in der Mehrzahl gut situiertem jüdischen Publikum über den Jargon hielt. Obwohl die Veranstaltung gut ankam, war die Resonanz insgesamt gering: viele Plätze blieben an diesem Abend leer. Auch die eigenen Eltern kamen nicht, wie Kafka im Tagebuch vermerkte.


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Detailverliebt und mit einer schier überbordenden Fülle an großartigem Bildmaterial ist dieses Buch etwas für den Leseabend auf dem heimischen Sofa.


 
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