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Cafe Louvre

Adresse: Národní 1987/22, 110 00 Praha 1

Wegbeschreibung:

Am Ende des Wenzelsplatz wechseln Sie links in die "28. října". Die Verlängerung dann ist die Národní, die Sie einfach entlang gehen. Auf der linken Seite kommt dann nach ca. 250 Metern das Cafe Louvre.

Google-Maps:

 

Das Cafe heute

Cafe Louvre von innen

Das Cafe Louvre gehört auch heute noch zu den schönsten Cafehäusern von Prag. 1902 eröffnet, wurde es nach dem zweiten Weltkrieg zwischenzeitlich unter den Sozialisten geschlossen und feierte 1992 in verkleinerter Form seine Wiedereröffnung.

Man gelangt  in das im ersten Stock befindliche Cafe über ein elegantes Treppenhaus, dessen Wände marmorverkleidet sind. Die Restauration im ersten Stock ist inzwischen zweigeteilt. Während sich im linken Bereich früher ein Billardzimmer des Louvres befand, hat man heute dort ein Speiselokal eingerichtet, das vom eigentlichen Cafehaus, das sich rechts vom Treppenaufgang befindet, getrennt wurde. Doch auch das heutige Cafe Louvre weiß sich der Tradition verpflichtet und hat im hinteren Teil des Cafes wieder ein Billardzimmer eingerichtet.

Auch in anderer Hinsicht lässt man eine Tradition wieder aufleben, die, im Gegensatz zu früher, heute in den Prager Cafehäusern kaum mehr anzutreffen ist: Man kann im Louvre bereits ab acht Uhr morgens frühstücken.



Der Brentano-Kreis

Das Louvre war eher ein Cafehaus der gehobenen Schicht und wurde vorwiegend von Tschechen aufgesucht. Doch auch ein deutschsprachiger Philosophenkreis, der unter dem Namen "Louvre-Zirkel" bekannt wurde, traf sich hier vierzehntägig. Man beschäftigte sich mit den Lehren des damals in hohem Ansehen stehenden Philosophen Franz Brentanos, doch auch allgemeine philosophische und naturwissenschaftliche Themen wurden diskutiert.

Der Kreis im Cafe Louvre war nahezu identisch mit demjenigen, der im Opens internal link in current windowHause der Apothekersgattin Fanta zusammenkam. Neben Berta Fanta, einer im kulturellen Leben von Prag sehr engagierten Frau, gehörten  einige Privatdozenten und akademische Persönlichkeiten dazu, wie beispielsweise Emil Utitz, der später Professor für Ästhetik war, oder der Psychologe Emil Eisenmeyer. Zu diesem Kreis stießen, wahrscheinlich durch Vermittlung von Hugo Bergmann, einem ehemaligen Klassenkameraden Kafkas, auch die Jurastudenten Max Brod, Franz Kafka und Felix Weltsch. Doch vor allem Kafka war ein eher unregelmäßiger Teilnehmer an diesen Gesprächsrunden.

Im Herbst 1905 kam es dann zu einem kleinen Eklat, als man Max Brod ausschloss, der es gewagt hatte, in seiner eben gedruckten Novelle "Zwillingspaar von Seelen" sich kritisch mit den Lehren Brentanos auseinanderzusetzen. Kafka erklärte sich daraufhin mit Brod solidarisch und blieb dem Kreis fortan fern.

Kafka und Brod im Cafe Louvre

Cafe Louvre bei Nacht

Doch auch danach waren Kafka und Brod noch häufig Gäste im Cafe Louvre. Man setzte beispielsweise dort fort, was man schon früher zuhause machte: Man las gemeinsam eigene Werke, aber auch Bücher von Schriftstellern, die beiden etwas bedeuteten. So notierte Max Brod in seinem Tagebuch:

"Mit K. im Cafe Louvre, wir lesen Laforgue. Schöne, sanfte Stunden, in denen ich mich ganz gesichert fühle."

Schade nur, dass sich diese Sicherheit auf Kafka nicht immer übertrug. So sei, als Kontrast, der auch ein wenig den Unterschied der beiden Freunde illustrieren mag, ein Tagebucheintrag Kafkas vom 17.01.1911 wiedergegeben:

"Max hat mir den ersten Akt des 'Abschieds von der Jugend' vorgelesen. Wie kann ich so, wie ich heute bin, diesem beikommen; ein Jahr müßte ich suchen, ehe ich ein wahres Gefühl in mir fände, und soll im Kaffeehaus spät am Abend, von verlaufenen Winden einer trotz allem schlechten Verdauung geplagt, einem so großen Werk gegenüber irgendwie berechtigt auf meinem Sessel sitzen bleiben dürfen."

Abschließend sei noch erwähnt, dass natürlich nicht nur Künstler das Louvre besuchten, sondern auch zunehmend emanzipierte Frauen sich hier trafen. Ein ebenso wichtiges Detail der Geschichte des Cafes, das leider aber allzu gern durch die großen Gestalten der Literaturgeschichte vergessen wird.


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