Das Oppelthaus

Staroměstské nám. 934/5, 110 00 Praha 1-Staré Město

Wegbeschreibung:

Das Oppelthaus befindet sich am Altstädter Ring und ist der erste Eckhaus zu Beginn der Pařížská třída und gegenüber der St. Niklas-Kirche.

Google-Maps:

 

Der Einzug der Familie

Das Oppelthaus war, wie schon das "Haus zum Schiff", ein modernes Miethaus mit eigenem Aufzug, das im Zuge der Assanierung 1897 gebaut wurde. Hier richtete sich die Familie, die im November 1913 einzog, im dritten Stockwerk in einer geräumigen Sechszimmerwohnung ein. Nach Einsicht in den erhaltenen Wohnungsgrundriss kommt Hartmut Binder zu der Schlussfolgerung, dass  Kafkas Zimmer auf die Pariser Strasse (Parizska trida) führen musste und das Schlafzimmer der Eltern wahrscheinlich links daneben lag. Dagegen ging das Zimmer Ottlas, der einzig noch im Haus der Eltern lebenden Tochter, rechts von dem Erker auf die Ringseite hinaus. Diesen Ausblick beschrieb Kafka in einem Brief an Grete Bloch:

"Geradeaus vor meinem Fenster im 4ten oder 5ten Stock habe ich die große Kuppel der russischen Kirche (gemeint ist die St.-Niklas-Kirche) mit zwei Türmen und zwischen der Kuppel und dem nächsten Zinshaus den Ausblick auf einen kleinen dreieckigen Ausschnitt des Laurenziberges mit einer ganz kleinen Kirche. Links sehe ich das Rathaus mit dem Turm in seiner ganzen Masse scharf ansteigen und sich zurücklegen in einer Perspektive, die vielleicht noch kein Mensch richtig gesehen hat."



Oppelthaus rechts im Jahre 1908

Das "Oppelthaus" wurde im zweiten Weltkrieg stark beschädigt. Es ist - wie man an der historischen Aufnahme ersehen kann - in veränderter Form wieder aufgebaut worden. Im September 1920 zog auch noch die Schwester Ottla mit ihrem Mann David in das Stockwerk darunter ein und wohnten hier bis zum Januar 1925. In dieser Zeit wurden deren beide Töchter Vera (*1921) und Helene (*1923) geboren.

Franz Kafka lebte hier bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges. Danach musste er sein Zimmer zeitweilig räumen, um seiner Schwester Elli und ihren zwei Kindern Platz zu machen, die einzogen, da Ehemann Karl Hermann zum Militär musste. Kafka, der daraufhin das erste Mal selbständig und außerhalb der elterlichen Einflusssphäre lebte, zog erst nach Ausbruch seiner Lungentuberkulose zeitweilig wieder in die elterliche Wohnung ein und bewohnte in der Folgezeit Ottlas Zimmer, die 1917 nach Zürau übersiedelte und dort, sehr zum Verdruss von ihrem Vater, eine Landwirtschaft unterhielt. In den letzten Monaten wurde dem schon Schwerkranken das Schlafzimmer der Eltern eingerichtet. Hier schrieb er die ersten Kapitel des Schloss-Romans und kurz vor seinem Tode, im März 1924, "Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse".

Die Mutter Julie Kafka gab die Wohnung erst im Januar 1932 wieder auf, nachdem ihr Mann im Jahr zuvor gestorben war.


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