Das Studium

Infothek

Adresse: Železná 540/11, 110 00 Praha 1-Staré Město

Wegbeschreibung:

Das Karolinum befindet sich genau neben dem Ständetheater. Es ist sehr leicht zu finden: entweder geht man vom Altstädter Ring die Železná entlang oder man biegt von der Celetná in die Ovocný trh. Auch da bewegt man sich direkt auf das Ständetheater zu.

Kartenansicht:

 

Eine schwierige Entscheidung: Brotberuf oder Neigung?

Der Nationalitätenkonflikt zwischen Tschechen und Deutschen wurde auch in der altehrwürdigen Karls-Universität immer wieder ausgetragen, die mit ihrer Gründung im Jahre 1348 die älteste in Mitteleuropa ist. So führte dieser Konflikt im Jahre 1882 zu einer Aufteilung in eine deutschen und tschechischen Bereich. Während die tschechischen Studenten fortan über den Obstmarkt (Ovocný trh) in ihren Teil der Universität betraten, war in der Železná 11 der Haupteingang für die deutschen Studenten.

Kafka tat sich schwer mit der richtigen Studien- bzw. Berufswahl. Groß war die Auswahl für einen Juden in dieser Zeit nicht, wie sein ehemaliger Mitschüler und Freund Hugo Bergmann klarsichtig formulierte:

"... einem Juden, der die Universität absolviert hatte, blieben unter den damaligen Umständen, wenn er sich nicht taufen lassen wollte, um eine staatliche Karriere einzuschlagen, praktisch nur die "freien" Berufe übrig: Arzt oder Advokat zu werden."

Die Vernunft (und sicher auch die Erwartung im Elternhaus) riet ihm zum Jura-Studium, die Neigung zog ihn zur Germanistik und so wählte er - Chemie! So überraschend die Wahl war, so schnell erfolgte der Abbruch: nach nur drei Wochen beendete er das (chemische) Experiment und wechselte zur juristischen Fakultät. Doch auch hier wurde er erst mal nicht heimisch. Darum wechselte er ein weiteres Mal und dieses Mal zur Germanistik. Ordinarius war zu dieser Zeit aber August Sauer, mit dessen Auffassung einer auf Volks- und Stammestum basierenden Germanistik (das später auch von nationalsozialistischen Literaturtheoretikern aufgegriffen wurde) Kafka verständlicherweise wenig anfangen konnte. So kehrte er im Herbst 1902 zur Jurisprudenz zurück und absolvierte am 18.07.1903 erfolgreich die rechtshistorische Staatsprüfung. Während er hier noch mit einem "gut" bewertet wurde, reichte es bei der am 23. November 1905 stattfindenden judiziellen Staatsprüfung nur noch zu einem "ausreichend". Auch bei der staatswissenschaftlichen Staatsprüfung am 22. März 1906 erhielt er diese Note. Für den juristischen Doktorgrad musste er allerdings zusätzlich noch drei Rigorosa, allesamt mündliche Prüfungen, die über zwei Stunden dauern konnten, erfolgreich absolvieren. Und die gestalteten sich zunehmend zu einer Zitterpartie: Während im Rigorosum I alle stimmberechtigten Prüfer mit "ausreichend" votierten, waren es im Rigorosum II noch drei von vier Stimmen, während im Rigorosum III eine hauchdünne Mehrheit von drei Stimmen für diese geringste Note "ausreichend" stimmten. Damit war die Prüfung zwar bestanden, aber es war fast schon ein Doktortitel zweiter Klasse. Das spielte zwar im Alltag keine Rolle, verschlechterte aber die Möglichkeiten Kafkas beträchtlich eine angemessene Stellung zu finden.


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