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Felice Bauer

Felice Bauer, Quelle (WP:NFCC#4), Fair use, Wikipedia

geb. 1887 in Neustadt/Oberschlesien, gest. 1960 in Rye, N.Y.

Felice Bauer entstammte einer jüdischen Familie, die eher dem Kleinbürgertum zuzurechnen war. Der Vater arbeitete als Versicherungsvertreter, während die Mutter Tochter eines Färbers war. Sie wurde als viertes von fünf Kindern am 18.11.1887 im oberschlesischen Neustadt geboren. Schon mit zwölf Jahren übersiedelte sie mit ihrer Familie nach Berlin.

Als sie Franz Kafka im Jahre 1912 kennenlernte, war sie Directrice in der Berliner Firma Carl Lindström A.G., die sich auf die Herstellung von Schallplattenspielern und Diktiergeräten spezialisierte. Rasch stieg sie in dem Betrieb zur Prokuristin auf, ein für damalige Verhältnisse beachtlicher Vorgang, der darauf schliessen läßt, dass Felice Bauer tatsächlich viel von der Geschäftstüchtigkeit besaß, die Kafka ihr zusprach. Sie war für den Vertrieb des "Parlographen" zuständig und vertrat die Firma auch auf Messen nach außen. Darüberhinaus war Felice Bauer kulturell interessiert und belesen.

Im Gegensatz zu Franz Kafka trug sie durch ihre gute berufliche Stellung schon früh eine große Verantwortung für den Unterhalt der Familie. Schon bald nach der endgültigen Beendigung der Beziehung zu Franz Kafka heiratete sie im Jahre 1919 den 14 Jahre älteren Bankprokuristen Moritz Marasse. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor: der Sohn Heinz (*1920) und Tochter Ursula (1921-1966). Im Jahre 1931 siedelte die Familie in die Schweiz über, von wo aus sie im Jahre 1936 in die Vereinigten Staaten auswanderte. Nur ein Jahr später starb ihr Ehemann. Felice Bauer war fortan gezwungen die Familie alleine durchzubringen. In späteren Jahren sah sie sich durch eine Krankheit und daraus resultierenden Geldschwierigkeiten gezwungen ihren Briefverkehr mit Franz Kafka an den Verleger Schocken zu verkaufen. Felice Bauer starb am 15.10.1960 in Rye bei New York.

Franz Kafka und Felice Bauer

"Ich kann mit ihr nicht leben, und ich kann nicht ohne sie leben", schreibt Franz Kafka in einem Brief an seinen Freund Max Brod. Damit bringt er dieses über fünf Jahre andauernde Beziehungsdrama um die quälende Frage nach der Vereinbarkeit der bürgerlichen Existenz versus dem Leben als freier Schriftsteller auf den Punkt.

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