Hermann Kafka

Kindheit und Jugend

Hermann Kafka wurde am 14.09.1852 in Wossek als viertes von sechs Kindern geboren. Sein Vater (und damit Franz Kafkas Großvater) war Jakob Kafka, der als Fleischhauer sein Geld verdiente und dem ungeheure Kräfte nachgesagt wurden. Herrmann Kafka ging in dem zwei Kilometer entfernten Ort Jemnice zur Schule. Der Unterricht wurde in deutscher Sprache abgehalten, gleichwohl die Umgangssprache Tschechisch war. Gewiss erlernte er dort kaum mehr als die Grundkenntnisse in Rechnen, Schreiben und Hebräisch. Noch die Briefe des fast Dreißigjährigen an seine Braut waren voller Fehler. Die Kindheit und Jugend Herrmann Kafkas war entbehrungsreich. Schon von klein auf musste der Junge körperlich hart arbeiten und bereits am frühen Morgen mit dem Handkarren das geschlachtete Fleisch in Orte der Umgebung ausliefern. Obwohl die späteren Klagen des erwachsenen Herrmann Kafkas etwas anderes vermuten lassen, war es für arme Kinder vom Lande selbstverständlich, dass sie von früh an im Haushalt und Geschäft der Eltern mitarbeiteten. Bis zu seiner Einberufung zum Militär im Jahre 1872 lebte und arbeitete Herrmann Kafka wahrscheinlich in der Umgebung von Wossek als Wanderhändler oder half in einem Textilgeschäft von Verwandten in Pisek aus. Genaueres weiß man über diese Zeit nicht.

Heirat und Geschäft

Nach seiner Entlassung aus dem Militär zog er auf jeden Fall nach Prag und eröffnete dort, unter finanzieller Mithilfe seiner Braut Julie Löwy, die er über einen Heiratsvermittler kennen lernte und am 3. September 1882 heiratete, ein Galanteriewarengeschäft, das er mit gutem Erfolg bis zu seinem Verkauf im Jahre 1918 führte. Herrmann Kafka, der das Geschäft immer selber leitete, war, wie viele Juden seines Jahrgangs, die im Zuge der Emanzipation vom Lande in die Stadt zogen, von dem Wunsch beseelt, die gesellschaftliche Leiter hinaufzusteigen in die Etagen des gehobenen Bürgertums. Ausdruck dafür sind die vielen Umzüge der Familie, die immer eng mit dem wachsenden geschäftlichen Erfolg Herrmann Kafkas korrespondierten und auch die guten Schulen, die er für seine Kinder aussuchte. Wobei aber einschränkend angemerkt werden muss, dass man sich bei der Wahl der Schulen für die Töchter darauf beschränkte, Ihnen das Rüstzeug für ihre Rolle als Ehefrau und Mutter mitzugeben.

Die letzten Jahre seines Lebens, vor allem nach dem Verkauf des Geschäfts an Fritz Löwy, einem Vetter seiner Frau, widmete er vor allem dem Familienleben. Hermann Kafka starb am 3. Juni 1931.


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Grafik Vater - Sohn

Das Verhältnis Franz Kafkas zu seinem Vater

Das äußerst komplexe Vater-Sohn-Verhältnis war nicht nur ein Problem Kafkas, sondern das einer ganzen Generation. Aber kaum ein Autor seiner Zeit hat wohl diese Problematik tiefgehender analysiert wie Franz Kafka.

Bild Kinsky Palais in Prag

Das Geschäft Hermann Kafkas

Vater Hermann Kafka betrieb ein Geschäft mit Kurz- und Haushaltswaren mit wachsendem Erfolg. Die angemieteten Geschäftsräume lagen alle in der Innenstadt nur einen Steinwurf auseinander.

Bild Julie Kafka 1913

Die Mutter Julie Kafka

Die Mutter Julie Kafka stammte von einer wohlhabenden Familie ab. Sie lernte über einen Heiratsvermittler ihren Mann kennen und arbeitete später viel im Geschäft mit. In der Familie war sie immer auf einen Ausgleich zwischen dem aufbrausenden Ehemann und den Kindern bedacht.

Die Schwestern Kafkas

Franz Kafka hat zu seinen Schwestern ein gutes Verhältnis gehabt. Besonders die Jüngste, Ottla, war zeit seines Lebens eine enge Vertraute und Seelenverwandte.