Kindheit und Jugend Franz Kafkas

Die Gymnasialzeit (1894-1901)

1894

Seit dem 20. September 1893 besucht Kafka das "Staatsgymnasiums mit deutscher Unterrichtssprache in Prag", auch das "Altstädter Deutsche Gymnasium" genannt. Mitschüler sind Hugo Bergmann, Emil Utitz, Paul Kisch und Oskar Pollak. In der Parallelklasse ist sein späterer Freund Felix Weltsch. Max Brod, den er erst während seiner Studienzeit kennenlernen wird, ging dagegen auf das Stefansgymnasium. Bis zum Abitur wird der Latein- und Griechischlehrer Dr. Emil Gschwind sein Klassenlehrer sein. Siehe auch:
Das Gymnasium

20. September: Das 2. Gymnasialjahr beginnt. Das Fach Geschichte kommt dazu.

1895

Einführung des Telefons in Prag.

Beginn der "Assanierung" des Judenviertels. Bis auf wenige Gebäude wird das komplette Stadtviertel abgerissen, siehe auch:
Das Ende des alten Prager Judenviertels

September: Elli kommt auf die deutschsprachige "Allgemeine Volks- und Bürgerschule für Mädchen". Welchen Stellenwert diese Schule in dieser Zeit für Mädchen hatte, siehe auch:
Die Schwestern Kafkas

18. September: Beginn des 3. Gymnasialjahrs mit den neuen Fächern Griechisch und Physik. Kafka wird in diesem Jahr, wie in den beiden vorhergehenden auch, Vorzugsschüler sein.

1896

13. Juni, 9.30 Uhr: Bar-Mizwa Kafkas in der Zigeuner-Synagoge. Kafka bezeichnet das Ritual, das jüdische Kinder mit 13 Jahren als religiös mündig erklärt, später nur "als lächerliches Auswendiglernen". Die Zigeuner-Synagoge wurde 1906 im Zuge der Assanierung abgerissen.

10. August: Milena Jesenska, die spätere enge Freudin Kafkas, wird in Prag geboren. Siehe auch:
Milena Jesenska

September: Wie schon Elli im Jahr davor, kommt auch Valli auf die deutschsprachige "Allgemeine Volks- und Bürgerschule für Mädchen". 

18. September: Beginn des 4. Gymnasialjahrs Kafkas.

1897

Kafkas Geburtshaus brennt in diesem Jahre ab und wird in veränderter Form wieder aufgebaut.

18. September: Beginn des 5. Gymnasialjahrs Kafkas. Kafka beginnt in dem Schuljahr Französisch zu lernen.

Dezember: Antideutsche und antisemitische Ausschreitungen, die im berüchtigten  "Dezembersturm" ihren traurigen Höhepunkt finden und erst nach Tagen durch Militär beendet werden kann. Während viele Geschäfte zerstört und geplündert werden, bleiben die Kafkas verschont. Das Kinsky-Palais, in dem Kafkas Gymnasium untergebracht ist, wird aber von den Ausschreitungen betroffen, so dass Kafka vom 2. - 5. Dezember zu Hause bleibt.

1898

Ab diesem Jahr beginnt man Straßen- und Ortsbezeichnungen nur noch in tschechischer Sprache zu führen.

Ab 1898 regelmäßige Lektüre der Zeitschrift "Der Kunstwart", das neben Kunstthemen vor allem Erziehungsfragen behandelt und sich als Teil der "Lebensreformbewegung" verstand.

4. März: Dora Diamant wird im polnischen Pabianice geboren, einer Kreisstadt südwestlich von Łódź. Siehe auch:
Dora Diamant

September: Ottla wird, im Gegensatz zu ihren beiden Schwestern die Jahre zuvor, in eine tschechischsprachige Volksschule eingeschult.

20. September: Beginn des 6. Gymnasialjahres Kafkas.

November: Kafka schreibt in ein Album seines Klassenkameraden Hugo Bergmann: "Es gibt ein Kommen und ein Gehn / Ein Scheiden und oft kein Wiedersehn." Dieser Eintrag ist das erste erhaltene schriftliche Dokument Kafkas.

1899

In diesem Jahr intensiviert sich die Freundschaft mit seinen Klassenkamerarden Oskar Pollak und Ewald Felix Přibram. Der 1915 im 1. Weltkrieg gefallene Pollak war zeitweilig Kafkas engster Freund und wichtigster Gesprächspartner. Er promovierte später als Kunsthistoriker. Přibram sollte vor allem in späteren Jahren eine wichtige Rolle in Kafkas Leben spielen. Denn auf seine Intervention bei dessem Vater Otto Přibram, der Präsident der Arbeiter-Unfall-Versicherung in Prag war, bekam Kafka eine Anstellung dort.

Liest in den Jahren um die Jahrhundertwende Spinoza, Darwin, Haeckel und Nietzsche. 

Kafkas Schulleistungen lassen nach: In "Fleiß" und "sittliches Betragen" erhält er nur mehr ein "befriedigend", in Mathematik gar nur mehr ein "ausreichend".

19. September: Beginn des 7. Jahres auf dem Gymnasium.

1900

Prag hat rund 414.000 tschechischsprachige und 33.800 deutschsprachige Einwohner. Damit hat sich das Verhältnis (92 zu 7,5 %) weiter zugunsten der tschechischsprachigen Mehrheit verschoben.

Den ersten Teil der Sommerferien verbrachte Kafka bei seinem Onkel Siegfried Löwy, der praktizierender Landarzt im mährischen Triesch war. Danach fuhr die Familie nach Rostok, einem Villen-Vorort, der vor Prag liegt. Dort lernt er Selma Kohn kennen, die später die gemeinsamen Tage mit Kafka als Schwärmerei bezeichnete.

18. September: Beginn des Abschlußjahres am Gymnasium. Der Schulfreund Hugo Bergmann hilft Kafka nun öfters bei den Mathematik- und Physik-Aufgaben.

1901

6.-10. Mai: Abitur- bzw. Maturitätsprüfungen in Deutsch, Latein, Griechisch und Mathematik.

12. Mai: Die Schüler des Altstädter Gymnasium stehen am Franzens-Quai Spalier um Kaiser Franz Joseph zu begrüßen.

8.-11. Juli: Mündliche Prüfungen

9. Juli: Kafkas Maturitäts-Zeugnis wird angefertigt.

28. Juli - 27. August: Kafka unternimmt eine erste größere Reise nach Helgoland und Norderney. Sein Onkel Siegfried Löwy stößt am 4. August in Helgoland zu ihm und gemeinsam verbringen sie die restlichen drei Wochen; erst noch in Helgoland und dann, nach einer Anreise mit einem Raddampfer, in Norderney.