Die letzten Jahre

1919 - 1924

1919

8. Januar: Der Amtsarzt der AUVA (= Arbeiter-Unfall-Versicherungsanstalt, Kafkas Arbeitgeber) empfiehlt nach einer Untersuchung Kafkas einen dreimonatigen Urlaub. Die AUVA genehmigt am 14. Januar erst nur einen dreiwöchigen Urlaub, verlängert diesen aber nach erneuten Ersuchen Kafkas von Schelesen aus zwei Mal bis Ende März.

22. Januar - Ende März: Kafka fährt wieder nach Schelesen und wohnt abermals in der Pension Stüdl.Dort lernt er Julie Wohryzek kennen, die wenige Tage nach ihm eintrifft. Siehe auch:
Julie Wohryzek

25. März: Felice Bauer heiratet den 14 Jahre älteren Bankprokuristen Moritz Marasse. Kafka nahm die Nachricht mit großer Erleichterung auf.

Anfang April: Kurz nach seiner Rückkehr aus Schelesen sehen sich Kafka und Julie Wohryzek in Prag wieder und gehen eine Liebesbeziehung ein.

September: "Schakale und Araber" wird in "Neue deutsche Erzähler, Band 1" veröffentlicht.

10. September: Friedensvertrag zwischen dem Nachfolgestaat Österreich und den alliierten Siegermächten in Saint-Germain. Österreich muss große Gebietsverluste hinnehmen und umfasst fortan nur noch den deutschsprachigen Teil des ehemaligen Kaiserreichs, wobei auch das hauptsächlich deutschsprachige Südtirol an Italien geht.

Mitte September: Kafka verlobt sich nit Julie Wohryzek. Darauf gibt es heftige Auseinandersetzungen mit seinem Vater, der sich vehement gegen diese Verbindung ausspricht. Kafka lässt sich davon nicht beeinflussen und legt einen kurzfristigen Heiratstermin für Oktober fest. Nachdem das Paar kurzfristig  eine Absage für eine bereits zugesagte Wohnung erhält, platzt der Hochzeitstermin. 

Ende Oktober: "In der Strafkolonie" wird im "Kurt Wolff Verlag" veröffentlicht. 

4. - 20. November: Erneuter Aufenthalt in der Pension Stüdl in Schelesen. Dieses Mal in Begleitung von Max Brod, der ein paar Tage bleibt. Begegnet dort der jungen Minze Eisner mit der er bis 1923/24 noch in brieflichen Kontakt bleibt. Schreibt in der Zeit den "Brief an den Vater", den er wahrscheinlich seiner Schwester Ottla zu lesen gibt, die ihn besucht. Zudem wird ihm eine negative Auskunft über Julie Wohryzek zugeschickt, die wohl über Freunde initiiert wurde. 

Ende des Jahres: Kafka ist wieder im Büro. In der Zeit begegnet er in Prag wohl zum ersten Mal der in Wien lebenden Journalistin und Übersetzerin Milena Jesenska. Sie bittet ihn, seine Texte ins Tschechische übersetzen zu dürfen.

1920

25. Februar: Der Anstaltsarzt der AUVA stellt bei Kafka "Anzeichen einer fortgeschrittenen Lungenilfitration" fest und empfiehlt einen dreimonatigen Kuraufenthalt in einem Lungensanatorium. Die AUVA genehmigt darauf Kafka einen 8-wöchigen Urlaub.

März: Erster überlieferter Brief Kafkas an Milena Jesenska (Pollak).

1. März: Unter dem Namen František Kafka wird Kafka offiziell tschechischer Staatsbürger.

19. März: Kafka wird zum Anstalts-Sekretär befördert.

3. April - 28. Juni: Kafka fährt nach Meran zur Kur. Dort intensiviert sich rasch der Briefwechsel zu Milena Jesenska.

22. April: Milena Jesenska erhält von Kurt Wolff die Erlaubnis "Der Heizer" zu übersetzen, der kurz darauf in der Zeitschrift "Kmen" veröffentlicht wird. Es war die erste Übersetzung eines Textes von Kafka, denen noch weitere aus der Feder Milenas folgen sollten.

27. Mai: Tomáš Garrigue Masaryk wird wieder zum Staatspräsidenten gewählt und sollte mit den zwei weiteren Wiederwahlen 1927 und 1934  bis zu seinem Tod im Jahre 1935 die prägende Persönlichkeit des neuen Staates sein.

30. Mai: Milena möchte, dass Kafka nach Wien kommt. Kafka lehnt anfangs ab und begründet dies mit seinen Erfahrungen mit Felice Bauer, die ihn "geistig krank" gemacht hätten.

Juni: Gesteht Julie Wohryzek, dass er zu einer anderen Frau in einem regen Briefwechsel steht. Die Nachricht scheint von ihr nicht gut aufgenommen worden sein, denn Kafka schreibt an seine Schwester Ottla wenige Tage später, dass die Beziehung "wahrscheinlich zuende" sei.

28. Juni - 4. Juli: Fährt nach Wien und trifft sich in den folgenden Tagen mehrmals mit Milena Jesenska. Bei der Verabschiedung auf dem Bahnhof küsst er sie.

4. - 5. Juli: Nach seiner Rückkehr teilt er Julie Wohryzeck während eines Spaziergangs das Ende ihrer Beziehung mit. Als Grund nennt er seine Beziehung zu Milena. Julie möchte darauf Milena schreiben, was Kafka ihr zugesteht. In der Folgezeit schreiben sich die Frauen. Ein weiterer Brief von Julie Wohryzek löst Ärger bei Milena aus.

8. Juli: Milena erzählt ihrem Mann von ihrer Affäre mit Kafka und erkennt in der Folgezeit, dass sie ihren Mann noch liebt und sich noch nicht von ihm lösen kann. 

15. Juli: Hochzeit von Ottla Kafka und Josef David im Prager Rathaus.

14. - 15. August: Nachdem das Verhältnis der beiden zueinander zunehmend komplizierter wurde, treffen sie sich Kafka und Milena Jesenska noch einmal in Gmünd.

Ende August: Kafka schreibt wieder regelmäßig in den Abendstunden. Es entstehen bis September kurz hintereinander "Der Schwimmer", "Zur Frage der Gesetze", "Poseidon" und "Ich sass in der Loge ...". Ende September entstehen noch "Konsolidierung", "Die Prüfung" und "Der Geier".

3. September: Nachdem Kafka erfahren hatte wie schlecht es Milena finanziell, aber auch gesundheitlich geht, wendet er sich an die Assistentin von Milenas Vater Jan und bitte sie darum der Vater möge seiner Tochter Geld schicken oder ein Abonnement in einem Restaurant bezahlen. Als Milena wenige Tage später davon erfährt ist sie ungehalten darüber und verlangt wohl von Kafka das richtig zu stellen. Siehe auch zu dem schwierigen Verhältnis zwischen Milena Jesenska und Ihrem Vater:
Milena Jesenska

21. Oktober: Der Verwaltungsausschuß der AUVA gewährt einen Krankenurlaub über drei Monate. Die Mitteilung geht an Kafka am 13. Dezember und gilt ab 20. Dezember.

16. - 19. November: Schwere antisemitische Ausschreitungen in Prag, die auch antideutsch motiviert sind. Kafka bewegt sich unter den Demonstranten und schreibt in einem Brief an Milena: "Den ganzen Nachmittag bin ich jetzt auf den Gassen und bade im Judenhass. "Prašivé plemeno" (= räudige Rasse) habe ich jetzt einmal die Juden nennen hören. Ist es nicht das Selbstverständliche, daß man von dort weggeht, wo man so gehaßt wird (Zionismus oder Volksgefühl ist dafür gar nicht nötig)?"

18. Dezember: Beginn eines achtmonatigen Kuraufenthalts in Tatranské Matliare, das in der heutigen Slowakei liegt und ein gutes Klima für chronische Atemwegserkrankungen bieten soll.

1921

Januar - 26. August: Seit dem 18. Dezember ist Kafka auf Kur in Tatranské Matliare, das in der heutigen Slowakei liegt. Der Aufenthalt wird mehrere Male aufgrund neuer medizinischer Gutachten verlängert und von der AUVA (= Arbeiter-Unfall-Versicherungsanstalt, Kafkas Arbeitgeber) genehmigt.

6. Januar: In einem Brief an Kafka fordert Max Brod seinen Freund eindringlich auf sich ein besseres Sanatorium zu suchen sowie die besten Ärzte zu konsultieren, da es inzwischen "um Leben und Tod" gehe.

20. Januar: Milena Jesenska schreibt Kafka einen Abschiedsbrief.

Ende Januar: Der junge ungarische Medizinstudent Robert Klopstock, der selber an einer leichten Form von Tuberkulose erkrankt ist, quartiert sich als Patient im Sanatorium ein und freundet sich alsbald mit Kafka an. Siehe auch:
Robert Klopstock - Kafkas letzter Freund

1. März: Brod beginnt seine Arbeit in der Pressestelle der Regierung.

27. März: Schwester Ottlas erste Tochter Věra wird geboren. Die Nichte Kafkas starb als Vera Saudková erst 2015 in Prag, Ein kurzes Portrait von Alena Wagnerova finden Sie hier:
Kafkas Nichte - Die Welt ist ja nicht zum Aushalten

3. April: "Auf der Galerie" erscheint in der "Prager Presse".

1. August: Der Rezitator Ludwig Hardt ist zu Besuch bei Thomas Mann und liest ihm Texte von Kafka vor. Thomas Mann hatte davor noch nichts von Kafka gehört.

30. September: "Ein altes Blatt" erscheint in "Selbstwehr".

Herbst: Kafka und Brod nehmen Hebräisch-Stunden bei Georg Langer, der in jungen Jahren sich dem Chassidismus zuwandte, diesen aber in seinen Büchern und Aufsätzen mit der Psychoanalyse und Literatur verband.

7. Oktober: Kafka übergibt seine Tagebücher und das Manuskript von "Der Verschollene" an Milena Jesenska.

15. Oktober: Nach einer längeren Pause beginnt Kafka ein neues Tagebuch. Will fortan nicht mehr nur über die eigenen Unzulänglichkeiten schreiben.

22. Oktober: Der Arzt Dr. Kodym bewilligt einen neuerlichen Genesungsurlaub, schlägt aber auch Kafkas Pensionierung vor, da nicht mehr mit einer kompletten Heilung zu rechnen ist.

5. November: Julie Wohryzek heiratet den Bankprokuristen Josef Werner.

Ende November: Milena Jesenska besucht Kafka mehrmals, kehrt am 2. Dezember wieder nach Wien zurück.

25. Dezember: "Der Kübelreiter" erscheint in der "Prager Presse".

1922

Anfang Januar: Prag wächst durch Eingemeindungen auf 667.000 Einwohner an, darunter nur mehr ein Anteil von 4,7 Prozent deutschsprachiger Bewohner.

27. Januar - 17. Februar: Kuraufenthalt in Spindelmühle (auch Spindlermühle genannt), einer Ortschaft, die im tschechischen Riesengebirge liegt und Kafka ungleich besser als der letzte Aufenthalt in Tatranské Matliare gefällt. Bald nach seiner Ankunft beginnt er mit dem Schreiben an dem unvollendet gebliebenen Roman "Das Schloss".

14. Februar: Trotz seiner durch Krankheit erzwungenen Kuren wird Kafka von der AUVA (= Arbeiter-Unfall-Versicherungsanstalt, Kafkas Arbeitgeber) zum Obersekretär befördert.

17. Februar: Nachdem Rilke "Ein Landarzt" gelesen hat, erbittet er von Kurt Wolff alle weiteren Bücher Kafkas und bezeichnet sich in diesem Zusammenhang nicht als seinen schlechtesten Leser.

März: Die Erzählung "Erstes Leid" entsteht.

April: Kafka schreibt weiter am "Das Schloss" (Das 8. Kapitel entsteht).

9. Mai: Robert Klopstock geht als Medizin-Student nach Prag und schreibt sich in der Prager Deutschen Universität ein.

7. Juni: Nachdem der behandelnde Arzt, Dr. Kodym, eine Rückkehr an den Arbeitsplatz "in absehbarer Zeit" für aussichtslos erklärt, beantragt Kafka die Versetzung in den vorübergehenden Ruhestand.

23. Juni - 14. Juli: Kuraufenthalt in Planá nad Lužnicí (Tschechien). Zur Bahn wird er dabei von Robert Klopstock begleitet.

1. Juli: Kafka wird von der AUVA in den "vorläufigen" Ruhestand entlassen.

14. Juli: Kafka erhält ein Telegramm von seiner Mutter, dass sein Vater in Franzensbad schwer erkrankt sei und nach Prag in ein Krankenhaus gebracht wurde. Dort stellte man einen Nabelbruch mit abgeklemmten Darm fest, das eine Operation notwendig macht. Kafka fährt noch am selben Tag noch nach Prag zurück und besucht seinen Vater in den folgenden Tagen im Krankenhaus. Vater Hermann erholt sich in den folgenden Tagen wieder.

19. Juli - 18. September: Rückkehr Planá nad Lužnicí (Tschechien), wo er  bis auf zwei kurze Abstecher zurück nach Prag auch bis 18. September.

14. September: Vater Hermann Kafka wird 70 Jahre alt.

September / Oktober: Kafka schreibt am Fragment gebliebenen "Forschungen eines Hundes".

Oktober: "Ein Hungerkünstler" wird erst in "Die neue Rundschau" (ca. 7. Oktober) und kurz darauf in der "Prager Presse" (11. Oktober) abgedruckt. Am 15. November erscheint es noch in "Vorbote" aus Chicago.

29. November: Schreibt eine testamentarische Verfügung als Entwurf an Max Brod, dass nur "Das Urteil", "Der Heizer", "Die Verwandlung", "In der Strafkolonie", "Ein Landarzt" und "Ein Hungerkünstler" Gültigkeit haben. Alles andere sei zu vernichten.

November / Dezember: Ist viel bettlägerig und hat Wochen lang Fieber.

Dezember: Beginnt den Hebräisch-Unterricht bei Puah Ben-Tovim.

1923

Ende Januar: "Erstes Leid" erscheint in "Genius. Zeitschrift für werdende und alte Kunst".

28. Februar: Der Madrider Onkel Alfed Löwy stirbt. Kafkas Mutter ist unter den Erben des wohlhabenden Mannes.

9. März: Von Kafka bestätigt, bittet Robert Klopstock bei Kurt Wolff um die Übersetzungsrechte an Kafkas Werken ins Ungarische.

Mitte April: Der bereits nach Jerusalem ausgewanderte Freund Hugo Bergmann kommt mit seiner Frau Else für ca. 4 Wochen nach Prag und versucht Kafka zu überzeugen nach Palästina auszuwandern. Doch Kafka bleibt skeptisch und lehnt schließlich ab.

Anfang Mai: Kafka fährt nach Dobřichovice, das unweit von Prag liegt. Bleibt dort aber nur ca. 10 Tage, weil ihm die Kosten zu hoch sind.

12. Juni: Milena Jesenska besucht noch einmal Kafka.

5. - 6. Juli: Fährt nach Berlin und bekommt dort vom Verlag "Die Schmiede" einen Autorenvertrag angeboten.

7. Juli - 6. August: Von Berlin aus fährt er weiter nach Müritz an der Ostsee, wo schon seine Schwester Elli mit den beiden Kindern Felix und Gerti angekommen sind. Neben seiner Pension befindet sich eine Ferienkolonie des Jüdischen Volksheims Berlin. An Hugo Bergmann schreibt er begeistert über die ostjüdischen Kinder, die in der Ferienkolonie wohnen: "Wenn ich unter ihnen bin, bin ich nicht glücklich, aber vor der Schwelle des Glücks." Er lernt dort die 16-jährige Betreuerin Tile Rösler kennen, die in Berlin eine Buchhändlerlehre absolviert hat und seine Bücher kannte. Sie lädt ihn zu einem freitägigen Sabbatfest ein, wo er Dora Diamant kennen lernt, die als Küchenleiterin im Ferienhaus arbeitet. Die beiden werden bald ein Liebespaar. Siehe auch:
Dora Diamant

6. - 9. August: Kafka verbringt nach Müritz noch ein paar Tage in Berlin, wo er sich auch noch mal mit Tile Rössler trifft und zusammen mit zwei weiteren Freundinnen von ihr ins Theater geht.

nach 16. August - 21. September: Fährt mit Ottla und ihren Kindern zur Erholung nach Schelesen. Bei seiner Ankunft wiegt er nur noch 54,5 kg (bei einer Größe von 1,82 m), so wenig wie noch nie.

23. September - 17. März 1924: Kafka lebt mit Dora Diamant in Berlin.

23. September - 15. November: Kafka bezieht ein Zimmer in Steglitz, in der Miquelstr. 8, das er wohl in Prag über eine Zeitungsannonce gefunden hat. Auch aufgrund der galoppierenden Inflation in Deutschland verteuert sich die Miete laufend, was Diskussionen und Streits mit der Vermieterin nach sich zieht. Ansonsten führen beide ein ruhiges und zurückgezogenes Leben. Sie fahren kaum ins Zentrum, gehen im Park spazieren und besuchen ab November die "Hochschule für die Wissenschaft des Judentums", wo Kafka bei einem Rabbiner auch einen Sprachkurs über den Talmud besucht. Seine Pension erhält er aus Prag über die Eltern angewiesen, die ihm auch immer wieder Lebensmitteln zuschicken.

15. November: Da Kafka inzwischen zu schwach ist, zieht Dora in die neue Unterkunft um, die zwei Zimmer sowie Zentralheizung und elektrisches Licht. Die neue Bleibe befindet sich in der Grunewaldstr. 13. Kafka findet die Wohnung außerordentlich schön.

16. November: Währungsreform in Deutschland. Die Rentenmark wird eingeführt und führt zu einer neuen Währungsstabilität. Der Umtauschkurs zu alten Währung beträgt: 1 Billion Mark = 1 Rentenmark.

25. November: Schwester Ottla kommt auf ein paar Tage zu Besuch in Berlin.

Ende November: Kafka beginnt mit der Erzählung "Der Bau", die er Ende des Jahres wieder abbricht.

25. Dezember: "Erstes Leid" erscheint in der "Prager Presse".

1924

Seit 23. September 1923 - 17. März: Kafka lebt mit Dora Diamant in Berlin.

Januar: Max Brod wechselt zum "Prager Tagblatt".

Anfang Januar: Kafka bekommt von der Vermieterin Bescheid, dass er sich eine neue Bleibe suchen muss, da sie plant die ganze Etage zu vermieten. Kafka, der sowieso die steigenden Arztkosten fürchtet, hat Angst keine geeignete Wohnung mehr zu finden. Über ein Inserat meldet sich aber Paula Busse, Schriftstellergattin des verstorbenen Autors Carl Busse und bietet ihm eine Wohnung an.

1. Februar: Einzug in die neue Wohnung in der Heidestr. 25-26 (heute Busseallee 7-9). Die Wohnung befindet sich im 1. Stock und hat eine Ofenheizung. Das Paar wohnt hier bis zum 17. März.

21. Februar: Kafkas Onkel, der Arzt Dr. Siegfried Löwy besucht das Paar in Berlin. Der Onkel findet zwar dass Kafka "hier sehr gut aufgehoben" ist, rät Kafka aber aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes direkt in ein Sanatorium zu fahren. Kafka, der sich anfangs dagegen wehrte, muss einsehen, dass seine Berliner Zeit abgelaufen ist. Bestätigt wird dies auch durch eine Untersuchung Anfang März durch einen Dr. Nelken, einem Bekannten Dora Diamants, der Kafka "in einem fürchterlichen Zustand" vorfindet.

17. März: In Begleitung von Max Brod fährt Kafka zurück nach Prag. Dora Diamant bleibt einstweilen in Berlin zurück und soll Kafka dann in das Sanatorium folgen, das erst noch zu suchen ist.

Nach 17. März: Kafka schreibt seine letzte Erzählung "Josefine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse".

Um den 20. März: Schmerzhafte Symptome einer Kehlkopftuberkulose treten auf, in deren Folge Kafka kaum mehr sprechen kann.

5. April: Kafka fährt in das "Sanatorium Wienerwald" in Ortmann in der Nähe von Wien. Kafka hat bei Ankunft schwere Halsschmerzen und wiegt in Kleidung nur mehr 49 kg. Bekommt keinen genauen Befund über seinen gesundheitlichen Zustand.

8. April: Dora Diamant kommt in Ortmann an und nimmt ein Zimmer in einem Bauernhaus neben dem Sanatorium.

10. April: Muß in die Universitätsklinik Wien verlegt werden, da der Kehlkopf zu sehr angeschwollen ist und die Behandlungsmöglichkeiten in Wien besser sind.

19. April: Da Dora Diamant kaum Besuchszeit zugestanden wird, sucht Dora Diamant nach einem neuen Sanatorium für ihren todkranken Freund und wird in Kierling/Klosterneuburg fündig. Sie mietet in dem privaten Sanatorium von Dr. Hugo Hofmann ein Balkonzimmer für Kafka. Bei Ankunft wiegt Kafka nur noch 45,5 Kilo. 

19. April: "Zertreutes Hinausschauen" erscheint in der "Prager Presse".

20. April: "Josefine, die Sängerin" wird in der "Prager Presse" und im "Prager Tagblatt" veröffentlicht.

Ende April: Kafka und Dora Diamant wollen heiraten. Kafka bittet per Brief an den Vater Herschel Diamant um die Hand seiner Tochter. Der hält Rücksprache mit einem Rabbiner, der dagegen ist. Dem schließt sich der tiefgläubige Vater an.

Anfang Mai: Ottla besucht ihren Bruder in Kierling.

2. Mai: Eine Untersuchung durch zwei Wiener Ärzte ergab als Ergebnis einen im Kehlkopf  "zerfallender tuberkulöser Prozess", der unumkehrbar ist. Sie prognostizieren für Kafka nur noch eine Lebenszeit von bis zu drei Monaten.

3. Mai: Schwester Elli informiert Brod darüber, dass ihr Bruder nicht mehr lange leben wird.

ca. 6. Mai: Der Freund und Medizinstudent Klopstock kommt in Kierling an und begleitet, zusammen mit Dora, Kafka in den letzten Wochen.

13. - 17. Mai: Brod besucht Kafka, der in sehr schlechter Verfassung ist.

Ende Mai: Zur Schmerzlinderung bekommt Kafka Morphium.

3. Juni, gegen Mittag: Franz Kafka stirbt im Beisein von Dora Diamant und Robert Klopstock. Als Todesursache wird Herzlähmung diagnostiziert.

5. Juni: Der Leichnam Kafkas wird in einem verlöteten Sarg nach Prag überführt.

11. Juni: Franz Kafka wird auf dem Neuen Jüdischen Friedhof im Beisein von weniger als 100 Trauergästen beigesetzt. Siehe auch:
Franz Kafkas Grab