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Das Gemeindehaus (Obecní dům)

Adresse: nám. Republiky 5, 111 21 Prag 1

Wegbeschreibung:

Vom Altstädter Ring kommend, laufen Sie einfach die Celetná bis zu ihrem Ende am Pulvertum vor und gehen dann nach rechts. Das prachtvolle Gebäude neben dem Turm ist nicht zu übersehen. Wenn Sie die öffentlichen Verkehrsmittel bevorzugen, nehmen Sie die Metrolinie B bis zur Station Náměstí Republiky.

Google-Maps:

 

Zur Geschichte des Gemeindehauses

Gemeindehaus bei Nacht

Das direkt neben dem Pulverturm befindliche Gemeindehaus ist das wohl schönste Jugendstilgebäude von Prag. Es befindet sich an der Stelle des ehemaligen Köngishofes von Wenzel IV, das im späten 14. Jahrhundert als Residenz erbaut wurde und für 100 Jahre Sitz der böhmischen Herrscher blieb. Im 15. Jahrhundert wurde aber der Hradschin wieder zur Heimstätte der böhmischen Herrscher. Damit hatte der Königshof seine eigentliche Funktion verloren, verfiel im Lauf der Jahrhunderte und wurde vor seinem Abriss im Jahre 1904 noch als Kaserne und Kadettenschule genutzt.

An der Entstehung des Gemeindehauses in den Jahren 1905 bis 1911 waren viele bekannte Architekten und Künstler dieser Zeit beteiligt. Nach dem über einen öffentlichen Architekturwettbewerb sich der ausschreibende Bürgerverein auf keinen Sieger einigen konnte, vergab der Stadtrat den Auftrag an Antonín Balšánek, einem Vertreter der seinerzeit aktuellen Neorenaissance, die dieser in seinen Werken mit Stilelementen der Wiener Sezession vereinte. Dieser fungierte bei diesem Projekt als Projektleiter, zum leitenden Architekten ernannte er Oswald Polívka, der bereits viele Bauten in Prag im Stile der Neorenaissance und des Jugendstils entworfen hatte. Polívka war vor allem für das Interieur zuständig. Basis für das Projekt war eine Grundrissprojektion von Alois Dryák.

Am 5. Januar 1912 wurde das Gebäude nach knapp 6-jähriger Bauzeit der Öffentlichkeit übergeben. Das Gemeindehaus umfasst eine Fläche von 4.200 qm. Das Gebäude besitzt eine Achsenkomposition, dessen beide Flügel in einem stumpfen Winkel auf den mittleren Eingangsbereich zulaufen.

Unter der Kuppel befindet sich ein ausladender Rundbogen mit einem Mosaikbild, das von Karel Špillar erschaffen wurde, einem bekannten tschechischen Maler und Grafiker des Jugendstils. Die Inschrift mit dem Titel "Huldigung an Prag" lautet:

Heil Dir Prag! Trotze der Zeit, der Bosheit. Trotz weiter wie Du bisher den Stürmen getrotzt hast.

Flankiert wird das Mosaikbild an beiden Seiten von einer Statuengruppe, die von Ladislav Šaloun entworfen wurden, die allegorische Motive der Demütigung und Auferstehung der Nation darstellen, wie überhaupt das gesamte Gebäude unter die tschechische Nation und seine Kultur zum Thema hat. Auch Ladislav Šaloun war einer bedeutendsten Künstler der Jugendstilepoche, der im Jahre 1946 sogar in den Rang eines Nationalkünstlers erhoben wurde.

Auffallend ist auch die Markise über dem Haupteingang, das mit seiner Verbindung von gusseiserner Konstruktion und Glasmalerei ein typisches Gestaltungsmerkmal des Jugendstils aufweist.



Das Innere des Gemeindehauses

Der Smetana-Saal, von © Jorge Royan / www.royan.com.ar, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons

Betritt man das Gemeindehaus durch den Haupteingang, erkennt man linker Hand den Eingang zu einem der schönsten Jugendstil-Cafes von Prag, das man auf jeden Fall einmal besucht haben sollte. Im Sommer werden vor dem Cafehaus eine große Anzahl von Tischen aufgestellt, die aber nachmittags und bei gutem Wetter oft vollständig belegt sind. Wartezeiten sollte man da einkalkulieren.

Rechts vom Haupteingang befindet sich ein französisches Restaurant der gehobenen Preisklasse. Wer eine gutbürgerliche Küche bevorzugt, dem sei das Pilsener Restaurant im Souterrain empfohlen, das neben einem Jugendstil-Ambiete eine gute böhmische Küche in der mittleren Preiskategorie bietet.

Ein Höhepunkt bietet sicher der Smetana-Saal, der sich im ersten Stock des Gebäudes befindet und den man über die groß angelegte Freitreppe erreicht. Auch hier haben sich die bekanntesten bildenden Künstler der Zeit vereinigt um den größten tschechischen Komponisten, Bedřich Smetana, zu huldigen. Der 1259 Plätze umfassende Konzertsaal besitzt neben der beeindruckenden Optik auch eine sehr gute Akustik. Jedes Jahr erfolgt am 12. Mai zum Todestag Smetanas eine Prozession vom Vyšehrad zum Repräsentationshaus. Damit wird traditionsgemäß des Musikfestivals "Prager Frühling" eröffnet, wo es zur Aufführung von Smetanas bekanntem Symphoniezyklus "Má vlast" (Mein Vaterland) kommt.

Sehenswert ist auch der Primator-Saal, der zu Ehren der Prager Bürgermeister erbaut wurde. Den Saal ausgestaltet haben auch hier berühmte Künstler der Epoche wie der Bildhauer Josef Václav Myslbek, der Maler Max Švabinský sowie der heute noch sehr populäre Illustrator Alfons Mucha.

Die Säle kann man übrigens nur im Rahmen eines Besichtigungsrundgangs begehen. Hierzu gibt es im Erdgeschoss links ein Informationsstand, wo sie auch die Tickets erwerben können.


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