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Zur Geschichte des Prager Judenviertels

Prolog

Historischer Stadtplan des Prager Judenviertels von 1665 - amp.bach.cz, Gemeinfrei, commons.wikimedia.org/w/index.php

Einer Vision der Fürstin Libussa nach sollte während der Regentschaft ihres Enkels ein fremdes Volk nach Böhmen kommen und dem Land, vorausgesetzt es werde freundlich aufgenommen, viel Glück bringen. Unter Hostivits wurden die ersten Juden um 860 wohlwollend aufgenommen, die sich in der  Umgebung von Ujezd niederließen. 

Leider gibt es keine verlässlichen Zeugnisse, die einen genauen Zeitraum angeben, wann es zur ersten Ansiedlung von Juden in Prag kam. Eine vielzitierte Quelle ist der Sendbote des Kalifen von Corduba, Ibrahim Ibn Yakub, der 965/66 zu Otto I. nach Böhmen geschickt wurde und in Prag einen Markt vorfand, der von Slawen, Russen, Mohammedanern und auch Juden besucht wurde. Doch werden in dieser Quelle nur auswärtige Juden erwähnt, die aus der Türkei kommend, im Gefolge des Kalifen nach Prag zogen. Anderen Chronisten nach bekamen die Juden als Dank für ihren Beistand, denen sie den Christen im Kampf gegen die Heiden im Jahre 995-997 leisteten, die Erlaubnis zugesprochen, sich in Prag niederzulassen und ein ein eigenes Städtchen zu gründen.

Erste Ansiedlungen

Erste jüdische Ansiedlungen gab es auf jeden Fall auf der Kleinseite, am Vysehrad und etwas später in der Umgebung der Altneusynagoge. Im Gegensatz zu den früheren Besiedlungen durch Juden byzantinischen Ursprungs, die aus dem Osten kamen, waren die Gründerväter der späteren Prager Judenstadt im Westen beheimatet. Ein hoher Anteil kam aus Bayern und nahm den beschwerlichen Weg über die Alpen. Die älteren Ansiedlungen unterhalb des Hradschins und am Vysehrad sind im 11. bzw. 12. Jahrhundert wieder aufgegeben wurden. Überliefert sind Plünderungen und Brandschatzungen durch einfallende Kreuzfahrer im Jahre 1096, die auf ihre Art die Juden zu "missionieren" suchten. Ein weiterer Grund für eine erzwungene Aufgabe könnte aber auch der Bau der steinernen Judithbrücke (heutige Karlsbrücke) in den Jahren 1152-72 gewesen sein, die eine durch Hochwasser zerstörte Holzbrücke ersetzte, die an einer höher gelegenen Furt lag. Da es Juden im Mittelalter verboten war, direkt im Zentrum von Handels- und Verkehrswegen zu leben, erscheint es als wahrscheinlich, dass sie dieser neuen Verkehrsader weichen mussten, da nun der Hauptverkehr direkt durch die Ansiedlung führte.

Entwicklung und Ausdehnung

Im 13. Jahrhundert begann die Judenstadt ihr Zentrum um die Altneusynagoge und Altschule zu entwickeln. Bis zu welcher Ausdehnung es in dieser Zeit kam, ist aus den dürftigen Quellen des Mittelalters nicht zu ersehen. Dem Prager Topographen W. W. Tomek nach lebte die jüdische Bevölkerung rund um die Pinkas Gasse und der Breiten Gasse, sowie in einer Hälfte der Rabbiner Gasse und in drei kleinen, zum jüdischen Friedhof führenden Gassen. Zwar nicht die erste, aber eine sehr genaue Zählung des jüdischen Viertels erfolgte erst 1729. Dabei wurde festgestellt, dass dort 10507 Personen in 333 von insgesamt 367 Häusern lebten ( die restlichen Häuser waren unbewohnbar ). 

Entscheidend für die Entwicklung des Viertels zur eigenständigen Stadt und damit auch zum Ghetto waren die Fixierung der Stadtrechte bis 1287 mit eigener Gerichtsbarkeit und Selbstverwaltung, sowie die Ummauerung des Viertels nach 1230. Durchlässe gab es an sechs Stellen des Ghettos. Diese Tore und Pforten wurden "portae Judeorum" (Judentore ) genannt und stellten zumindest teilweise einen Schutz vor Übergriffe dar. Das letzte Tor des Ghettos wurde erst 1822 niedergerissen.

Doch darf man sich, trotz Ummauerung, die Prager Judenstadt nicht als ein statisches Gebilde vorstellen. Es gab - und das war auch immer ein Konfliktstoff mit der christlichen Umwelt - immer wieder Versuche von jüdischer Seite, Gebäude nahe dem Ghetto und auch abseits davon aufzukaufen. Gerade in der Regierungszeit Rudolf II., der den Juden bei aller Ausbeutung, die auch er betrieb, wohlgesonnen war, begann sich die Judenstadt über seine mittelalterlichen Grenzen hinaus durch Zukäufe auszuweiten. Auch im Anschluss an den missglückten Aufstand der böhmischen Stände (1618-1620), in dessen Folge viele verfolgte Adlige ins Ausland fliehen mussten, bekam die Judengemeinde von der Krone die Erlaubnis 39 Häuser im Umkreis des Ghettos zu erwerben.



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