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Geschichte und Ursprung der Golemsage

Ursprünge der Sage

Der Golem, Quelle: Wikimedia Commons

Die bekannte Sage des Golems entspringt wohl dem kollektiven Wunsch der über die Jahrhunderte verfolgten Juden nach einer starken und schützenden Figur, die einem in der Bedrängung beisteht und vor Verdächtigungen und Verfolgung bewahrt. Wie tief diese Figur im kollektiven Bewusstsein zumindest der Böhmischen Juden verankert war, bewies nicht zuletzt Egon-Erwin Kisch, der sich selber ausgiebig mit der Figur des Golems beschäftigte. In einem Schreiben  von 1938 fasst er noch einmal sehr schön den psychischen Hintergrund dieser alten "Frankenstein-Saga" zusammen:

"Du weißt doch, dass ich ein direkter Nachkomme des weisen Rabbi Löw bin, der aus Lehm den Golem modelliert hat und ihm, wenn den Juden Unrecht droht, befahl: Erhebe Dich und gehe! So einen Golem würden wir brauchen, wenn die Nazis auf uns losgehen werden. Ich würde ihm auch befehlen: Erhebe Dich und geh, die Feinde rücken auf mein Prag zu!"
aus: "Böhmen am Meer", S. 125

Es gibt unzählige Varianten und Geschichten um die Golem-Sage, die hier natürlich nicht alle wiedergegeben oder auch nur vorgestellt werden können. Wer sich näher mit Figur und Sage des Golems beschäftigen möchte, bekommt auf diesen Seiten einige Literaturhinweise.

Ursprung und Entstehung der Golem-Sage

Die Ursprünge der Sage reichen bis in das 12. Jahrhundert zurück, als in Worms (der vermeintlichen Geburtsstadt von Rabbi Löw) ein hebräischer Kommentar zu dem mystischen Traktat "Sefer Jezira" erschien. Schon hier ist von einem magischen Ritual die Rede, das aus Buchstaben und Zahlen bestand, um den Golem zum Leben zu erwecken. Luther übrigens übersetzte das Wort Golem (der im Psalm CXXXIX, 16 auftaucht) mit "unbereitet". 

Die Prager Golem-Sage ist neueren Ursprungs. Ein wenig verblüffend ist die Tatsache, dass zu Zeiten von Rabbi Löw, dem vermeintlichen Erschaffer der Lehmfigur, noch niemand über einen Golem sprach. Erste Andeutungen über magische Fähigkeiten von Rabbi Löw tauchten 1725 auf, als im Zuge der Restaurierung des Grabes seine Nachfahren einen Abriss zu Leben und Werk veröffentlichten. Doch auch hier wird der Golem noch mit keiner Silbe erwähnt. Erst 1838 veröffentlichte der deutsch-tschechische Journalist Franz Klutschak in der Zeitschrift "Panorama des Universums" einige Geschichten über den alten Judenfriedhof und Rabbi Löw. Dabei trug eine Erzählung den Namen "Der Golam und Rabbi Löw". Einem breiteren Publikum bekannt aber wurde die Sage erst durch eine Geschichtensammlung, die den Namen "Sippurim" trug und erstmals in deutscher Sprache verfasst wurde. Der Herausgeber, Wolf Pascheles, erkannte, dass es ein wachsendes jüdisches Publikum für Bücher gab, die in literarischem Deutsch und deutscher Schrift verfasst werden. Die "Sippurim" waren so erfolgreich, dass es noch Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts Nachdrucke gab.


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