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Die Statuen der Prager Karlsbrücke

Die Karlsbrücke ist vor allem wegen seiner Brückenfiguren berühmt geworden. Entlang der Brücke reihen sich 30 Statuen aneinander, die von den bekanntesten Bildhauern ihrer Zeit erstellt wurden. Den Anfang machte die Figur des hl. Nepomuk, die 1683 aufgestellt wurde und den vorläufigen Schlußpunkt bildete die Gruppe des hll. Cyrill und Method, die erst 1938 ihren Platz auf der Brücke fand. Ein Großteil der Figuren wurde während der Barockzeit, genau: in den Jahren von 1706 bis 1714, aufgestellt.

Inzwischen sind aufgrund ungünstiger Umwelteinflüße viele der ursprünglichen Plastiken durch Kopien ausgetauscht worden. Wer aber mag, kann sich die Originale im Lapidarium des Nationalmuseums ansehen. Doch mindert das keineswegs den Reiz, der von diesem einmaligem Skulpturen-Ensemble ausgeht.



 

Die Brückenfiguren im Überblick

Wichtiger Hinweis: Die Listung beginnt von der Altstädter Ringseite bzw. vom Altstädter Brückenturm her.

2 Der heilige Ivo

Erstellung: Matthias Wenzel Jäckel, 1709.

  • Historischer Hintergrund:

    Historischer Hintergrund:

    Der heilige Ivo lebte von 1253 bis 1303 und stammte aus der Bretagne und studierte  Rechtswissenschaften in Paris, weshalb die Figur auch ein Doktorbarett auf dem Kopf trägt. Im Jahre 1284 wurde er zum Priester geweiht und lebte als Pfarrer in verschiedenen Dörfern. Später zog er sich auf das Gut seiner Eltern zurück und setzte sich selbstlos für die Armen und Angeklagten vor weltlichen Gerichten ein. Dadurch erhielt er den Ehrentitel "Advokat der Armen".

    Im Jahre 1347 wurde er von Papst Clemens VI. heilig gesprochen.

 

4 Hll. Barbara, Margarete & Elisabeth

Erstellung: Ferdinand Max Brockhoff, 1707.

  • Historischer Hintergrund:

    Historischer Hintergrund:

    In der Mitte dieser Statuengruppe sieht man die heilige Barbara, rechts von ihr die heilige Margarete und links die heilige Elisabeth. Das Muster der Dreiheit findet sich übrigens auf vielen Darstellungen des Mittelalters und frühen Neuzeit. Alle drei Frauen waren christliche Märtyrerinenn, die sich ihrem Glauben bedingungslos hingaben und dafür mit dem Leben bezahlten. Während Barbara von Nikomedien und Margareta von Antiocha im 3. und 4. Jahrhundert lebten, wurde Elisabeth von Thüringen 1207 in Pressburg geboren und starb am 17. November 1231 in Marburg. Das Andenken der Tochter des ungarischen Königs Andreas II. wird auch heute noch, vor allem als Patronin von Thüringen und Hessen, regelmäßig gefeiert. So kam es im Jahre 1981 anläßlich ihres 750. Todestags Elisabeths zu einer ersten Massenversammlung in Erfurt, bei der sich bis zu 50.000 gläubige Katholiken auf dem Platz unterhalb des Erfurter Domes versammelten. Das Datum gilt als der erste - inoffizielle - Katholikentag in der DDR.

    In der Mitte des Sockel steht die lateinische Inschrift: ORATE PRO NOBIS NVNC ET IN HORA MORTIS (Betet für uns nun und in der Stunde des Todes).

 

6 Pietá

Erstellung: E. Max, 1859.

  • Historischer Hintergrund:

    Historischer Hintergrund:

    Die Pietà wird in der abendländischen Kunst auch Vesperbild genannt und ist eine weitverbreitete Darstellung Marias als Mater Dolorosa (Schmerzensmutter) mit dem Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Jesus Christus. Dabei liegt der Leichnam Jesu immer in Marias Schoß. Zu den bekanntesten Beispielen einer Darstellung der Pietà zählt Michelangelos Werk im Petersdom.

    Bei der Pietà auf der Karlsbrücke sieht man in der Mitte der Dreiheit Johannes den Evangelisten, seine Mutter Maria, die den Kopf des toten Christus hält, und neben ihr kniet Maria Magdalena.

    Die Inschrift lautet: O vos omnes, qui transitis per viam, attendite et videte si est dolor sicut dolor meus (Oh, ihr alle, die ihr hier eingeht, steht eine Weile still und sehet, ob der Schmerz meinem Schmerz gleicht).

 

8 Der heilige Josef

Erstellung: J. Max, 1854.

  • Historischer Hintergrund:

    Historischer Hintergrund:

    Nachdem die ursprüngliche Statue, die aus der Werkstatt Johann Brockdorffs (1706) stammte, in Kämpfen des Jahres 1848 stark beschädigt wurde, erschuf Josef Max diese Statue im Jahre 1854 neu.

    Die Plastik zeigt Josef von Nazareth, den - wie es im katholischem Schrifttum so schön heißt - "Nährvater" von Jesus Christus, der an seiner Seite abgebildet ist. Im linken Arm hält er einen Stab mit Lilienblüten, ein typisches Motiv, das häufig in Zusammenhang mit der Darstellung Josefs genutzt wird. Es symbolisiert seine Reinheit und Keuschheit.

 

10 Hl. Franziskus Xaverius

Erstellung: F. M. Brokoff, 1711.

  • Historischer Hintergrund:

    Historischer Hintergrund:

    Die Figur des hl. Franziskus Xaverius gilt als eines der bedeutendsten Werke der böhmischen Bildhauerei im Barock. Sie stellt den Mitbegründer des Jesuitenordens dar, der von vier missionierten Heidenfürsten umgeben wird. Da die Originalplastik bei dem Hochwasser von 1890 stark beschädigt wurde, ist sie 1913 von einer Kopie ersetzt worden.

    Es lohnt sich vor dieser Plastik etwas länger zu verweilen um die sehr feingliedrig getroffene Verinnerlichung des Heiligen, aber auch die überaus realistisch gezeichneten Züge der bekehrten Heiden zu studieren.

    Originell ist auch das im Prager Barock so beliebte Atlantenmotiv, das die missionierten Völkerschaften darstellt, die jene schwere Platte für die Hauptprotagonisten tragen. Man sieht hier einen Chinesen, einen Tartaren, einen Inder und einen dunkelhäutigen Träger, offensichtlich afrikanischer Provenienz. An dieser Statuengruppe läßt sich auch sehr gut die christliche Hybris jener Zeit studieren, die fremde Völker wie selbstverständlich in Kategorien der Unterwerfung und Mediokrität zeichneten.

 

12 Hl. Christophorus

Erstellung: E. Max, 1857.

  • Historischer Hintergrund:

    Historischer Hintergrund:

    Die Statue war das Ergebnis einer Sammlung Prager Bürger, die der damalige Bürgermeister Vaclav Wanka initiiert hatte. Ursprünglich befand sich bis 1784 an dieser Stelle eine Wachstube für das Militär. Durch plötzlich eintretendes Hochwasser wurden die darunter liegenden Brückenpfeiler so stark beschädigt, dass es die Wachstube und vier Soldaten in die Tiefe riß, die an dieser Stelle ertranken.

    Der heilige Christopherus gilt als Schutzherr aller Reisenden und Kaufleute.

 

14 Hl. Franziskus v. Borgia

Erstellung: F. M. Brokoff, 1710.
Engel: I. M. Platzer, 1765.

Bild: Von Yair Haklai - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

  • Historischer Hintergrund:

    Historischer Hintergrund:

    Franz Borgia war ein Herzog im spanischen Gandia und lebte von 1510-1572. Nach dem Tod seiner Gattin im Jahre 1542 ging er in den Jesuitenorden. Dort wird er 1565 zum dritten General gewählt. Die Statuengruppe zeigt ihn umgeben von zwei Engeln. Während der Engel zu seiner Linken das Zeichen des Lobes in Händen hält, weist der sitzende Engel auf ein Schild zu Ehren der Jungfrau Maria.

    Zwar ist zu Füssen des linken Engels der Werkstatteigentümer Jan Brockoff als Künstler ausgewiesen, in Wahrheit aber war sein Sohn Ferdinand Maximilian der Erschaffer der Statue. Es war seine erste Arbeit als ausgereifter Künstler.

    Bemerkenswert ist noch der runde Einschnitt im Brückengeländer. Hier stand von 1784 bis 1881 das Schilderhäuschen für einen wachhabenden Soldaten, der für die Sicherheit auf der Brücke zuständig war. Ursprünglich war dieses Häuschen mit der Statuengruppe verbunden.

 

16 Hll. Ludmilla und Wenzel

Erstellung: B. Braun, 1720.

  • Historischer Hintergrund:

    Historischer Hintergrund:

    Ludmilla wurde genauso Opfer einer blutigen Familienfehde Ende des 9. Jahrhunderts um die Thronnachfolge Böhmens wie Anfang des 10. Jahrhunderts ihr Enkel Wenzel. Beide werden als Schutzpatrone Böhmens verehrt. Die Plastik zeigt Ludmilla, die in der linken Hand den Schleier hält, mit dem sie erwürgt wurde und mit der rechten auf die Bibel zeigt, aus dem ihr Enkel lesen lernt.

    Die Statue stand übrigens ursprünglich auf der Rampe der Prager Burg vor der Kapelle der Jungfrau Maria vor den Einsiedeln und wurde erst 1784 auf die Brücke überführt, nach dem Hochwasser die vormals an diesem Platz stehende Statue des heiligen Wenzels durch Hochwasser beschädigt wurde.

 

18 Hl. Franziskus Seraph

Erstellung: E. Max, 1855.

  • Historischer Hintergrund:

    Historischer Hintergrund:

    Die Statuengruppe "Franziskus Seraph" stellt den Gründer des Franziskaner-Ordens, Franz von Assisi, umgeben von zwei Engeln (Seraphen) zu seinen Seiten. Franziskus wurde 1181/1182 in Assisi, einer umbrischen Stadt am Fuß des Monte Subasio geboren und starb auch dort am 3. Oktober 1126 in der Portiuncula-Kapelle unterhalb der Stadt. Aus reichem Hause kommend, lernte er sehr früh lesen, schreiben und rechnen. Um 1204/1205 fühlte sich Franz immer stärker zu Gott hingezogen. Er brach mit seinen alten Verhältnissen, lebte in großer Armut und nach dem Vorbild Jesus Christus, dessen Leben er "sine glossa", also ohne Hinzufügen und Veränderungen nachahmen wollte. Im Jahre 1209 zog er mit zwölf Gefährten nach Rom um von Papst Innozenz III. die Erlaubnis zu erhalten nach den Regeln der Armut zu leben und Buße zu predigen. Er erhielt eine einstweilige Erlaubnis, die 1215 während des IV. Laterankonzils öffentlich verkündet wurde. Damit war der bis heute wirkende Franzikaner-Orden geboren. Nach 1219 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zusehends (er erblindete langsam), so dass er die Ordensleitung abgab und sich auf den Berg La Verna zurückzog. 1226 spürte er, dass seine Tage gezählt sind und so unternahm er eine letzte Reise in sein Heimatdorf, wo am 3. Oktober 1226 verstarb.

    Auf einem dreiteiligen Sockel im Barockstil steht Franziskus in einem Mönchsgewand gekleidet. Die Statue wurde 1855 aufgestellt, nachdem die vormalige Plastik, die 1708 von František Preiss erschaffen wurde, aufgrund von Witterungsschäden abgebaut werden musste.

 

20 Hll. Vinzenz Ferrer & Prokop

Erstellung: F. M. Brokoff, 1712.

  • Historischer Hintergrund:

    Historischer Hintergrund:

    Die Statue zeigt den spanischen Diakons Vinzenz, der zur Zeit der Christenverfolgung lebte, vom römischen Statthalter verhaftet, gefoltert und um 304 auch getötet wurde. Einer Legende nach wurde er während seiner körperlichen Torturen und auch nach dem Tode von Engeln bewacht. Heute ist er der Schutzpatron von Portugal, aber auch Patron der Holzfäller, Seeleute, Dachdecker und Töpfer. Auch in Burgund wird sein Gedenktag gefeiert.
    Prokop von Sázava dagegen gehört zu den böhmischen Landespatronen. Prokop wurde um 970 in Chotouň, im Bezirk des tschechischen Kolin geboren und starb am 25. März 1053 in Sázava, einer kleinen Stadt, die auch heute noch existiert und im tschechischen Bezirk Beneschau liegt. Der Legende nach war erst ein verheirateter Priester, wurde später Mönch, der das Kloster Sázava in Böhmen gründete. Im Jahre 1204 war er der erste böhmische Heilige, der in Rom selber heilig gesprochen wurde.

    Die Statuengruppe "Die hll. Vinzenz Ferrer und Prokop" gehört zu den bedeutendsten auf der Karlsbrücke. Sie zeigt den hl. Vinzenz, wie er einen Toten zum Leben erweckt. Links von ihm steht Prokop, unter ihm der besiegte Teufel. Interessant ist auch der Sockel der Statue mit seinen drei Pfeilern, die jeweils die Büste eines Juden, Türken und Satans zeigen. Die Bilder des Sockels zeigen Reliefs des jüngsten Gerichts sowie Prokop mit Teufelsgespann. Die Signatur des Schöpfers Jan Brockoff findet man übrigens im hinteren Bereich des Sockels. Man geht allerdings davon aus, dass nicht er der Urheber der Statue war, sondern sein Sohn Ferdinand Maximilian, der die bedeutenderen Werke schuf.

 

22 Hl. Augustinus

Erstellung: J. F. Kohl, 1708.

  • Historischer Hintergrund:

    Historischer Hintergrund:

    Der Heilige Augustin war ein Kirchenlehrer und Philosoph. Geboren wurde er im Jahr 354 in Tagaste und gestorben 430 in Hippo Regius. Beide Orte lagen in Numidien und damit im heutigen Algerien. Augustinus ließ sich 387 taufen und war, laut Wikipedia, "ein wichtiger Philosoph an der Schwelle zwischen Antike und Frühmittelalter". Viele seiner Schriften sind erhalten geblieben. Seine "Bekenntnisse" (Confessiones) haben eine überragende Bedeutung in der Weltliteratur entfaltet und gelten als die erste Autobiographie, die neben persönlichen Erlebnissen auch seine Zeit reflektiert.

    Die Brückenfigur des Augustinus hält in seiner Hand ein brennendes Herz und unter seinem rechten Fuß kann man ein ketzerisches Buch erkennen. Die Darstellung symbolisiert die flammende Liebe zum Herrn und in dem Buch ein Verächtlichmachung vermeintlich häretischer Irrlehren. Die Darstellung des kleinen Jungen zu seinen Füßen, der mit einer Muschel versucht Wasser auszuschöpfen, geht auf ein Erlebnis Augustins zurück: Gott als Dreifaltigkeit erschien ihm in der Gestalt eines kleinen Kindes am Meer und ermahnte ihn davon zu lassen Gott nur als ein einziges Wesen zu denken.

 

24 Hl. Luitgard

Erstellung: M. B. Braun, 1710.

  • Historischer Hintergrund:

    Historischer Hintergrund:

    Die Plastik der hl. Luitgard stellt eine mystische Vision der Zisterziensernonne dar, die der damals 26jährige Tiroler Matthias Braun mit ungewöhnlichem Freimut in Szene setzte. Nicht nur, dass die blinde Nonne das Knie des gekreuzigten Jesus umfasst, sondern auch das Herabbeugen von Jesus, während die andere Hand am Kreuz festgenagelt bleibt, stellt eine kompositorische Kühnheit dar, die sicherlich für Aufsehen gesorgt hat und mit zu den schönsten bildnerischen Darstellungen auf der Brücke gehört.

    Nachdem der Sandstein der Plastik durch Witterungseinflüsse porös wurde, erstellte man am Anfang des 20. Jahrhunderts einen Abguß der Statue und stellte das Original in die geschützten Räumlichkeiten des Lapidariums des Nationalmuseums.

 

26 Hl. Adalbert

Erstellung: F. M. und M. J. Brokoff, 1709.

  • Historischer Hintergrund:

    Historischer Hintergrund:

    Adalbert von Prag wurde um das Jahr 956 in Vojtěch geboren und starb auf einer Missionsreise an der Ostsee im Jahr 997 eines gewaltsamen Todes. Er entstammte einer böhmischen Fürstenfamilie und war ein gebildeter Mann mit vielen Kontakten. Im Jahre 982 wählte ihn Fürst Boleslav zum Bischof von Prag. Aufgrund seines Reformeifers (er wandte sich z. B. gegen Polygamie und Sklaventum) eckte er schnell beim heimischen Klerus an. Er bekam auch aufgrund der politischen Verhältnisse, in die seine Familie involviert war, immer wieder Schwierigkeiten. So brach er immer wieder aus um ein anderes Leben in Kontemplation und Askese zu leben. In diesem Geiste gründete er auch das Kloster Břevnov in Prag, das ein geistig-religöses Zentrum Böhmens werden sollte.

    Die Darstellung zeigt ihn bei der Segnung des Landes nach seiner Rückkehr. Die Plastik auf der Karlsbrücke ist eine Kopie. Das Original befindet sich im Schloß Troja.

 

28 Hll. Johannes v. Matha, Felix v. Valois & Iwan

Erstellung: F. M. Brokoff, 1714.

  • Historischer Hintergrund:

    Historischer Hintergrund:

    Bei dieser Figurengruppe handelt es sich um die umfangreichste und neben dem hl. Nepomuk wahrscheinlich auch populärsten Plastik auf der Karlsbrücke. Sie stellt eine Gruppe von Heiligen dar, die Christen aus türkischer Gefangenschaft loskaufen. Die Statue mit dem Vollbart und den langen Haaren zeigt den selig gesprochenen Iwan, neben ihm (und auf gleicher Höhe) der hl. Johannes von Matha und unterhalb von Iwan erkennt man noch Felix von Valois. Doch zu noch größerer Aufmerksamkeit gelangte der Wache haltende Türke, dessen abgebrochener Krummsäbel zwar immer wieder renoviert wird, aber zumeist nach kurzer Zeit wieder seiner Klinge verlustig geht. Auch zur Zeit sieht man nur den Säbelgriff. In den ersten Jahren nach der Aufstellung dieser Figurengruppe sorgte die Darstellung des Türken für großen Aufruhr unter den Pragern, da die Türken als grobschlächtige Vandalen galten. Man verlangte die Entfernung der Figur und bewarf sie mit Exkrementen.

    Doch bewegte diese Figur nicht nur die Gemüter Prager Bürger des 18. Jahrhunderts, sondern auch unter den Schriftstellern des 20. Jahrhunderts fand der Türke Beachtung. So berichtet Max Brod in seinem autobiographisch angelegten Roman "Prager Tagblatt" von den Ängsten, die er als Kind durchstand, wenn er an dieser Stelle der Brücke vorbeiging. Und in der Erzählung "Wie der Türke auf der Karlsbrücke um seinen Säbel kam" liefert Egon Erwin Kisch eine plausible Erklärung ab, warum sich die Waffe des Türken in dem beklagenswerten Zustand befindet. Aus Angst vor einem eifersüchtigen Ehemann, der seine erste Ehefrau schon mit einem Dolch erstach, zerbrach die von Angst gepeinigte Frau mithilfe eines großen Steins die steinerne Waffe der Statue. Und siehe da: mit dem Türkendolch der Brücke brach auch die Klinge des gehörnten Ehemanns daheim!

 

30 Wenzel der Heilige

Erstellung: Josef Kamil Böhm, nach einer Aufzeichnung von Josef Führich, 1857.

  • Historischer Hintergrund:

    Historischer Hintergrund:

    Diese Plastik wurde von der Familie Klar gestiftet, die in Prag eine Blindenanstalt auf der Insel Kampa führte. Die Figur stellt den heiligen Wenzel dar, der einer der ältesten und bekanntesten Schutzheiligen in Böhmen ist. Wenzel entstammte dem Herrschergeschlecht der Premysliden und ist der Überlieferung nach im Jahre 935 durch seinen Bruder Boleslaw ermordet worden, der es nicht verkraften konnte, dass sein älterer Bruder auf dem Herrscherthron saß. Doch während Boleslaw als der "Grausame" allenfalls einen unrühmlichen Eintrag in das Geschichtsbuch bekam, wurde Wenzel immer verehrt, da er als gelehrt und gläubig galt und als jemand, der sich immer für die Armen und Entrechteten einsetzte. Merkwürdigerweise wurde Wenzel aber auch als Kämpfer gewürdigt, der mit gezücktem Schwert auf Münzen und Kampfschilden verewigt wurde.

 

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