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Cafe Arco

Adresse: Hybernská 1004/16, Nové Město, 110 00 Praha

Wegbeschreibung:

Das Cafe Arco liegt im Norden der Neustadt (Nové Město), an der Stelle, wo sich die Havlickova und die Hybernská kreuzen. Kommt man zu Fuß vom Altstädter Ring geht man die Celetná bis zum Pulverturm durch und gerade aus über die Kreuzung in die Hybernská. Die Wegstrecke dürfte knapp ein Kilometer sein.

Google-Maps:

 

Das Literatencafe

Cafe Arco heute

War das Cafe Union das Domizil der tschechischen Intelligenz, so ist das Arco das Pendant dazu auf deutscher Seite gewesen. Hier trafen sich ab dem Jahre 1908 der Gymnasiast Franz Werfel mit seinen Freunden in eher vertrautem Kreise, der sich vor allem nach dem Erscheinen von Werfels Gedichtband "Der Weltfreund" im Jahre 1911 und dem damit einsetzendem großen Erfolg sich aber allmählich auszuweiten begann. Waren es zu Anfang vor allem nahe Freunde Werfels wie Willy Haas, Ernst Polak oder Paul Kornfeld, die sich im Arco trafen, gesellten sich später so bekannte Schriftsteller wie Max Brod, Anton Kuh, Else Lasker-Schüler, Kurt Tucholsky und Ernst Weiß dazu. Doch nicht nur Schriftsteller trafen sich hier zum Stammtisch, sondern auch bekannte Persönlichkeiten wie der Maler Egon Adler und der Zeichner Alfred Kubin oder der Psychoanalytiker Otto Groß, dessen Verfolgung durch seinen Vater für großen Aufruhr sorgte, fanden sich hier ein. Franz Kafkas Besuche im Cafe Arco sind seit 1908 belegt, doch war er kein regelmäßiger Gast der Treffen. Doch lernte er an einem dieser Abende die tschechische Journalistin Milena Jesenska kennen, die seit 1918 mit Ernst Polak verheiratet war und Kafkas Texte ins Tschechische übersetzen wollte.

Lesungen im Cafe Arco

Cafe Arcon von innen (um das Jahr 2002)

Lesungen gab es nur relativ selten im Cafe Arco. Mit verantwortlich mögen wohl die Auftritte Franz Werfels gewesen sein, dessen Rezitationen eigener Gedichte so laut gerieten, dass sich sogar die Stammgäste beim Oberkellner beschwerten. Derlei Klagen dürften wohl mehr oder weniger verpufft sein, da der gute Mann natürlich genau wußte, dass der wohlhabende Werfel einen Gutteil der ausliegenden Zeitschriften und Journaillen finanzierte. Man kann sich auf der anderen Seite vorstellen wie Franz Kafka sich gefühlt haben mag, wenn der selbstbewusste Dichter zur Tür hereinkam, der Oberkellner den Gästen sogleich vermeldete, dass der berühmte Herr Lyriker nun da sei und dieser dann im Verlauf des Abends "mit drohender Stimme, die dicken weißen Fäuste geballt, aus schrägem Antlitz, den Blick in eine ferne Ecke des Raumes sendend" (Max Brod) seine Gedichte herausschmetterte. Unter diesen Voraussetzungen mag man ein Tagebucheintrag Kafkas aus dem Jahre 1912 nun besser verstehen und nicht weiter als Idiosynkrasie des Schriftstellers abtun:

"Vorigen Samstag recitierte Werfel im Arco die Liebeslieder und das Opfer. Ein Ungeheuer! Aber ich sah im in die Augen und hielt seinen Blick den ganzen Abend."

Das Arco heute

Durch den Wegzug vieler bekannter Schriftsteller, wie Werfel oder Kisch, verlor das Cafe Arco an Bedeutung. Während des ersten Weltkriegs war es noch für kurze Zeit ein wichtiger Treffpunkt pazifistisch gesinnter tschechisch- wie deutschsprachiger Autoren, doch schon bald nach 1918 erlosch dieser kulturelle Stern von Prag. Zwar existierte das Cafe Arco noch bis Anfang der 90er Jahre, doch war es spätestens nach dem zweiten Weltkrieg zu einem bedeutungslosen und unscheinbaren Cafe heruntergekommen. Nachdem es für Jahre ganz geschlossen war, war es zwischenzeitlich als völlig nichtssagendes Restaurant wiedereröffnet worden, das wohl hoffte aufgrund seines Namens ein paar literaturbegeisterte Touristen anzulocken.

Derzeit ist das Cafe Arco wieder geschlossen.


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