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Max Brods Elternhaus

Adresse: Skořepka 527/1, Staré Město, 110 00 Prag

Wegbeschreibung:
Vom Altstädter Ring aus geht man am Rathaus vorbei auf den Kleinen Ring (Malé náměstí), überquert den und geht geradeaus in die Karlova, folgt dann aber nach ersten Biegung weiter der Jilská bis die Skořepka links kreuzt. Das Eckhaus an der Kreuzung Jilská - Skořepka ist das ehemalige Elternhaus Max Brods, gut erkennbar an den Sgraffitos im obersten Stockwerk.

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Max Brods Zuhause

Zuhause der Eltern Max Brods in der ehemaligen Schalengasse

Das Haus in der damaligen Schalengasse (Skořepka) wurde in den 1880er Jahren im Neurenaissance-Stil erbaut. Auffällig sind die Sgraffiti im obersten Stockwerk, wo auch die Familie Brod wohnte, die Abbildungen des tschechischen Malers Mikoláš Aleš zeigen, dessen Motive aus dem böhmischen Leben und seiner Geschichte an vielen Häusern in Prag, Pilsen und anderen böhmischen Städten zu finden sind.

Max Brod wuchs in einem wohlhabenden Elternhaus auf (der Vater war Bankdirektor) und wohnte hier mit seinen Eltern und seinem Bruder Otto bis zum Jahre 1913 (siehe auch: Opens internal link in current windowMax Brod). Sein Freund Franz Kafka war hier ein oft und gern gesehener Gast. Man las sich gegenseitig die neu entstandenen Texte vor und verbrachte viel Zeit debattierend.

Erste Begegnung mit Felice Bauer

Am 13. August 1912 hatte man sich für den Abend verarbredet um die Zusammenstellung der Texte für Kafkas erste Buchveröffentlichung "Betrachtung" zu besprechen. Kafka kam wie gewöhnlich zu spät und als er sich an den Eßzimmertisch setzte, hatte ein überraschender Gast bereits Platz genommen. Es war Felice Bauer aus Berlin, eine entfernte Verwandte der Familie Brod, die sich auf Durchreise befand und in Prag eine Zwischenstation bei den Brods einlegte. Obwohl Kafkas Tagebucheintragungen etwas gänzlich anderes vermuten lassen, verstand man sich auf Anhieb sehr gut und verabredete im Verlauf des Abends sogar eine Palästinareise für das kommende Jahr.

Diese Reise fand nie statt, aber sie war der Aufhänger für Kafka in den Wochen darauf in einen folgenreichen Briefkontakt mit Felice Bauer zu treten, was einen fünfjährigen Kampf um Liebe, Ehe und das eigene Selbstverständnis als Schriftsteller zur Folge hatte (siehe auch Opens internal link in current windowFranz Kafka und Felice Bauer).

Kurze Zeit darauf, in der Nacht vom 22. auf den 23. September, schrieb Kafka "Das Urteil". Diese Begegnung war Auslöser einer ganz neuen Schaffensperiode im Leben Franz Kafkas. Folgerichtig widmete Kafka die Erzählung auch Felice Bauer.



Der Nachhauseweg ins Hotel "Zum blauen Stern"

Das frühere Hotel "Zum blauen Stern" (links, der vordere Gebäudekomplex)

Nach dem gelungenen Abend bei der Familie Brod, begleiteten Adolf Brod, der Vater von Max, und Franz Kafka den Gast aus Berlin noch nach Hause. Felice Bauer war im vornehmen Hotel "Zum blauen Stern" abgestiegen, das seinerzeit am Ende des "Graben", der deutschen Flaniermeile, lag. Durch einen Brief Kafkas an Felice Bauer vom 27. Oktober 1912 kann man den Weg auch heute noch sehr genau nachvollziehen:

Man ging die Skořepka (Schalengasse) entlang, überquerte die erste Kreuzung und wechselte in die Perlova (Perlengasse). Dort bog man dann rechts in die 28. rijna (Obstgasse) ab, die dann in die Na Prikope (Graben) übergeht. An deren Ende befand sich auf der rechten Seite das Hotel "Zum blauen Stern", schräg gegenüber dem Pulverturm und dem sich daran anschließenden Repräsentationshaus. An Stelle des Hotels, das leider nicht mehr existiert, wurde in den Jahren 1925-1938 der Bankpalast der Zivno-Bank errichtet (heute Nationalbank).

Kurios: wie der Kafka-Forscher Reiner Stach herausfand, war das Hotel seit dem Jahre 1771 in Besitz einer Familie Kafka und der aktuelle Besitzer im Jahre 1912 hörte sogar auf den Vornamen Franz.



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